Schwerpunkt in den Betrieben

Demo der KPD/ML in Hamburg. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 3. Jg., Oktober 1969

Erläuternde und korrigierende Mitteilung des ZK

In den Organisations-Mitteilungen unserer Partei vom 13. September 69 heißt es: „Die allgemeine politische Linie der KPD/ML wurde vom ZK mit den folgenden Beschlüssen festgelegt“, dazu unter Punkt 3 „Die systematische Werbung von Arbeitern und Betriebsangestellten ist die derzeitige Hauptaufgabe der Partei.

“Kurz , knapp, ohne Begründung. Die Genossen an der Basis werden schon irgendetwas damit anfangen. Aber was? Schon der Begriff „Werbung“, was heißt hier Werbung? Sind wir ein Werbeinstitut? Kommt es darauf an, möglichst viele Arbeiter und Angestellte zu umwerben, damit sie in die KPD/ML eintreten? Um was für Arbeiter handelt es sich dabei?

Es gab eine Zeit, zu Anfang der 50er Jahre und später, da wurden von der damaligen KPD ähnliche Werbekampagnen durchgeführt. Zu irgendeinem Anlaß (Thälmann-Aufgebot etc.) wurde beschlossen, verstärkt Mitglieder in die Reihen der KPD aufzunehmen. Die Landesverbände, Kreise, Gruppen, erhielten ein Soll und am besten stand schließlich die Gruppe, der Kreis, der Landesverband da, die die meisten Mitglieder „geworben“ hatten.

In der Praxis sah das dann in etwa so aus: Der Genosse A sprach im Betrieb die Kollegen B und C an und lud sie zu einem gemütlichen Abend ein. Bei Bier und Korn kam man sich näher. Die Sache endete schließlich damit, daß in gehobener Stimmung B und C sagten: Na,wenn du meinst, daß das gut ist, dann treten wir in die KPD ein. Der Genosse A bürgte, das Soll war erfüllt, die Kandidatenzeit blieb ein formaler Akt.

Wohin eine solche Praxis in der Folge mit führte, konnten wir miterleben: Geradewegs in den Sumpf des Revisionisus, der rapiden Aufgabe marxistisch-leninistischer Grundsätze, zu einem ideologischen Tiefstand in der Partei. Wenn heute die DKPisten bereits per Post (Aufnahmeantrag beiliegend) Mitglieder für ihren Verein „werben“, so zeigt das nur die völlige Aufgabe der Kaderprinzipien einer marxistisch-leninistischen Partei.

Durch solche Werbeaktionen werden wir nicht die Avantgarde des Proletariats aus dem Proletariat heranbilden. Das letzte arbeiteraristokratische Pack wird sich „anwerben“ lassen,um in der Partei mit kleinbürgerlichen Elementen gemeinsame Sache zu machen.

Also, „Werbung“ geht nicht. Nun werden die verantwortlichen Genossen für diesen Beschluß sagen: „So war das ja auch gar nicht gemeint. Gemeint war, daß die Partei es sich zur Hauptaufgabe machen solle, einmal die strukturelle Zusammensetzung der Partei in Hinblick auf eine Verstärkung des Anteils der Arbeiter und Angestellten-Genossen zu verbessern, zum anderen, daß der Schwerpunkt unserer politischen Arbeit in den Betrieben zu liegen hat.“

Nun denn, warum schreiben wir das nicht? Warum erlassen wir allgemeine Aufrufe, ohne sie zu begründen, ohne konkret zu sagen, wie sie zu verwirklichen sind. Zu verwirklichen sind, um sie dann anhand der Praxis zu überprüfen, Erfahrungen zu sammeln, die wiederum zu neuen Direktiven führen.
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Den Klassenkampf organisieren

Versuchen wir an dieser Stelle die Begründung für diesen Beschluß nachzuholen. Was ist unser Ziel, das Ziel jeder marxistisch-leninistischen Partei? Es ist die Organisierung des proletarischen Klassenkampfes mit dem Ziel, die politische Macht zu erobern, alle Produktionsmittel in die Hände der ganzen Gesellschaft zu übergeben, die kapitalistische Wirtschaft durch die sozialistische zu ersetzen, die Diktatur des Proletariats zu errichten.

Hier taucht schon die erste Frage auf. Was ist Klassenkampf? Wir haben in den letzten Wochen erlebt, daß zigtausende Arbeiter die Brocken hinwarfen, spontan zu streiken begannen, den Kampf gegen ihren Unternehmer oder gegen ihre Unternehmer aufnahmen. Ist das schon Klassenkampf? Nein, das sind erst schwache Ansätze dazu.

Wie Lenin sagt: wird der Kampf der Arbeiter erst dann zum Klassenkampf, wenn alle fortschrittlichen Vertreter der gesamten Arbeiterklasse des ganzen Landes sich bewußt werden, eine einheitliche Arbeiterklasse zu sein, und den Kampf nicht gegen einzelne Unternehmer, sondern gegen die  g a n z e  K l a s s e  der Kapitalisten und gegen die diese Klasse unterstützende Regierung aufnehmen. Erst dann, wenn der einzelne Arbeiter sich bewußt ist, ein Teil der ganzen Arbeiterklasse zu sein, wenn er in seinem tagtäglichen Kleinkampf gegen einzelne Unternehmer und einzelne Beamte den Kampf gegen die ganze Bourgeoisie und gegen die ganze Regierung sieht, erst dann wird sein Kampf zum Klassenkampf (Lenin Bd. 4, S. 209)

Geht man von dieser Einschätzung Lenins aus, dann ist die Einschätzung im letzten ROTENMORGEN, die angesichts der Streiks der letzten Wochen von einem „bedeutenden Aufschwung des Klassenkampfes in der Bundesrepublik“ sprach, falsch. Richtiger hätte man von einem bedeutsamen Anfang oder Ansatz im Klassenkampf sprechen können. Daß es zu solchen Fehleinschätzungen kommen kann, liegt daran, daß wir in der Bundesrepublikin dieser Hinsicht nicht verwöhnt sind, daß das, was in anderen Ländern wie Italien und Frankreich gang und gäbe ist, nämlich Massenstreiks, bei uns als ein großes Ereignis betrachtet werden. Wir sollten bei jeder Analyse hübsch fein auf dem Teppich bleiben und uns nicht im Überschwang der Gefühle zu Fehleinschätzungen hinreissen lassen.

Diese Fehleinschätzung ändert allerdings nichts an der Feststellung im ROTEN MORGEN: Daß der Mythos, daß die westdeutsche Arbeiterklasse völlig „integriert“ sei und nicht mehr kämpfen könne, zusammengebrochen ist, daß der Kampfgeist der Kumpels in der Stahlindustrie und im Bergbau Typen wie Habermas und Marcuse ideologisch getötet haben. Nach wie vor steht fest, daß es nur, einzig und allein, natürlich im Bündnis mit anderen Schichten des Volkes, die Arbeiterklasse sein kann, die die Gesellschaft verändert.Unsere Aufgabe ist es, wenn wir den Namen Avantgarde des Proletariats zu recht tragen wollen, den Arbeitern, den Kollegen zu helfen, sich zu organisieren zur gesamten deutschen Arbeiterklasse, den ökonomischen Kampf der Arbeiter in einen bewußt geführten Klassenkampf zu verwandeln.
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Die reaktionäre Rolle des DGB

Dabei kommen wir um eine Einschätzung der Rolle der Gewerkschaften nicht herum. Wie steht es damit? Sind die Gewerkschaftem, ist der DGB noch eine Vertretung der Klasseninteressen der Arbeiter? Er ist es schon lange nicht mehr. Sein Hauptzweck ist es, die Arbeiter vom politischen Kampf abzuhalten, um sie einzig und allein auf ihre ökonomischen Interessen zu fixieren. Und auch das tut er nur in Absprache mit der herrschenden Klasse, wie sich in der „konzertierten Aktion“ klar bewies. Die Bürokratie des DGB mit ihren Aufsichtsräten und gut dotierten Funktionärsposten, ihren gewerkschaftseigenen Großunternehmen ist durch und durch reaktionär und eine Agentur der Bourgeoisie im Lager der Arbeiterklasse. Deshalb war die in einem Flugblatt der Partei zum 1. Mai aufgestellte Losung: „Macht die Gewerkschaften wieder zur Kampforganisationder Arbeiterklasse“ auch falsch und zeigt Tendenzen des Revisionismus. Genausowenig wieman die durch und durch verbürgerlichte reformistische SPD und die revisionistische DKP wieder zu revolutionären Parteien der Arbeiterklasse wird machen können, kann es gelingen, den DGB in eine Klassenvertretung der Arbeiter zu verwandeln.

Auch die Behauptung, in den Gewerkschaften seien die klassenbewußtesten, revolutionärsten Kollegen organisiert, stimmt heute nur noch zum Teil und ist örtlich und von Gewerkschaft zu Gewerkschaft verschieden. Unterhält man sich mit gewerkschaftlich organisierten Kollegen und fragt, warum sie denn eigentlich in der Gewerkschaft seien, erhält man Antworten wie: Nun, weil hier im Betrieb alle drin sind; weil ich dadurch eine zusätzliche Altersversorgung erhalte; weil, wenn ich mal rausfliege, die mir einen Rechtsanwalt stellen; weil die ja die Lohnverhandlungen mit den Unternehmern führen usw. Kaum jemand, der – und sei es auch nur im Trade Unionistischen Sinne – von Kampforganisationen der Arbeiterklasse spricht. Zur Entwicklung dieser Ansichten haben die Gewerkschaften selbst beigetragen, indem sie beispielsweise seit über einem Jahrzehnt Lohnverhandlungen mit Unternehmern nach den Methoden des Kuhhandels pflegen: Ich fordere 12 %, du bietest 6 %, einigen wir uns auf die Mitte. Indem sie Lohnkämpfe durch Tarifverträge ersetzten, um die Arbeiter während der Laufzeit der Tarifverträge daran zu hindern , für ihre Interessen zu kämpfen. Indem sie in Zusammenarbeit mit dem Staat der Monopole Lohnleitlinien (Konzertierte Aktion) aushandeln, die einzig und allein den Unternehmern nützen. Indem sie durch ihr Mitbestimmungsgeschwätz den Arbeitern vorgaukeln, sie hätten und könnten in einem monopolkapitalistischen Staat irgendetwas zu bestimmen. Indem sie beispielsweise den 1. Mai, den traditionellen Kampftag der Arbeiterklasse, in ein Volksfest verwandeln. Sie selbst haben den schändlichen Gedanken der „Sozialpartnerschaft“ durch ihre reaktionäre Praxis propagiert und damit ihre Agentenrolle entlarvt.
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Die Unzufriedenheit wächst

Das hat dazu geführt, daß die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften schon seit geraumer Zeit eine fallende Tendenz zeigen, daß viele Kollegen – und es sind nicht die schlechtesten -ihre Gewerkschaftsbücher hinknallten. Zum anderen, daß in den Reihen der in der Gewerkschaft organisierten Kollegen selbst die Unzufriedenheit wächst. Das zeigte sich deutlich, als – nachdem am 1. Mai in Hamburg Marxisten-Leninisten in Absprache mit anderen Gruppen der APO die Zirkusveranstaltung auf dem Rathausmarkt platzen ließen – die Gewerkschaftsbürokratie in heller Aufregung rund 1000 gewerkschaftlich organisierte Kollegen zu einer Versammlung einberief, um die „Vorgänge“ zu kritisieren. Kritisiert wurden weniger die Vorgänge – nur von ein paar DKP-Revisionisten -, sondern zur Hauptsache das Verhalten und die Versäumnisse der reaktionären Gewerkschaftsbürokratie.

Ein noch besseres Beispiel aber waren die Massenstreiks vor der Wahl. Bei ihnen zeigte sichdeutlich, daß sie nicht nur ohne, sondern gegen die reaktionäre Gewerkschaftsbürokratie geführt wurden. Zum Beispiel bestanden die jungen Arbeiter der Westfälischen Union Thyssen darauf, den Streik selbst angefangen zu haben. Die Gewerkschaft habe da keine Rolle gespielt, der Vertrauenskörper sei gar nicht aktiv, der Betriebsrat habe nachziehen müssen. Über die Gewerkschaftsbürokratie wurde nur mit großer Verachtung gesprochen. Andererseits gab es aber auch Beispiele dafür, daß die gewerkschaftlichen Vertrauensleute sich aktiv auf die Seite ihrer streikenden Kollegen stellten.
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Arbeiterverräter

Eine geradezu widerliche Rolle spielt der IBGE-Vorsitzende Arendt, der demonstrierende Arbeiter im Fernsehen als Querulanten bezeichnete und fälschlich behauptete, daß die Bergleute 8,– DM die Stunde verdienten und der Streik demzufolge unberechtigt sei. Oder die Gewerkschaftsfunktionäre, die durch gezielte Falschinformationen versuchten, die Kollegen zum Abbruch des Streiks zu bringen. Als auf einer Versammlung ein Bergarbeiter in der Diskussion für Arendt sprach, wurde er beinahe verprügelt. Entlarvend war auch die Rolle des Vorstandsmitglieds der IGM (Aufsichtsratsmitglied der Hoesch AG), W. Michels. Dieser Arbeiterverräter erklärte: „Die Ruhr hätte gebrannt, wenn nicht die Träger der Mitbestimmung durch Vereinbarungen vieles aufgefangen hätten“. Diese Äußerungen, die sich beliebig ergänzen ließen, zeigen klar, daß die Gewerkschaftsbürokratie das ihr von der Bourgeoisie verliehene Werkzeug zur Errichtung und Festigung deren Herrschaft und Kontrolle über die Arbeiterklasse gebracht hat.

Was wir im DGB haben, ist nicht nur ein antisozialistischer, ein reaktionärer, sondern auch ein arbeiterfeindlicher Gewerkschaftsverband. Heißt das nun, daß – wie uns von gewisser Seite unterstellt wurde – wir die Genossen und Kollegen auffordern, aus der Gewerkschaft auszutreten? Wir wären schlechte Marxisten-Leninisten, wenn wir nicht Lenins Ratschlag befolgten, selbst in den reaktionärsten Organisationen zu arbeiten. Zumal in diesen Organisationen Arbeiter, Kollegen sind. Nur wie arbeiten? Sollen wir uns darauf beschränken, den ökonomischen Kampf des Proletariats zu fördern? Nein, unsere Aufgabe muß es sein, dafür zu sorgen, daß der ökonomische Kampf die sozialistische Bewegung fördert, die Erfolge der revolutionären Arbeiterpartei mehrt. Unsere Aufgabe muß es sein, den Arbeitern helfen, sich zu organisieren, den ökonomischen Kampf der Arbeiter in einen bewußt geführten Klassenkampf zu verwandeln.
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Wie organisieren?

Doch wie organisieren? In der Partei? Hier sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Betrachtung und dem undifferenzierten Satz: „Die systematische Werbung von Arbeitern und Betriebsangestellten ist die derzeitige Hauptaufgabe der Partei.“ Sprechen wir von der Partei, müssen wir unbedingt die vier vom Genossen Dimitroff aufgezählten Kriterien der Kaderpolitik anwenden: Vollkommene Hingabe, engste Fühlung mit den Massen, die Fähigkeit, sich selbständig in jeder Situation zu orientieren, Disziplin. Gehen wir von diesen Forderungen aus, ergiebt sich von selbst, daß es unmöglich ist, die Masse der Arbeiter und Betriebsangestellten in der Partei zu organisieren. Für den Eintritt in die Parteigilt für jeden, ob Arbeiter , Angestellter, Lehrling, Schüler, Student, daß er erfüllt ist vom revolutionären Bewußtsein, daß er die Ausbeuter, die Monopolkapitalisten haßt und jederzeit bereit ist , alles zu tun, um ihren revolutionären Sturz herbeizuführen. Das heißt, daß nur solche Genossen in die Partei aufgenommen werden können, deren bisherige politische Praxis erwarten läßt, daß sie bei richtiger Anleitung durch die Kader der Partei eine marxistisch-leninistische Massenlinie entwickeln werden.

Wo aber dann die Arbeiter, diejenigen, die jetzt im Zuge des Bekanntwerdens unserer Parteizu uns kommen, die mit uns sympathisieren, aber noch nicht den Anforderungen, die eine marxistisch-leninistische Partei stellt, genügen, organisieren? In einer Arbeitermassenorganisation. Wie in der Jugendmassenorganisation der Partei, der Roten Garde, müssen wir jetzt vordringlich die Werktätigen in Arbeiterzirkeln, in Roten Betriebs- und Stadtteilgruppen in einer Arbeitermassenorganisation auf Bundesebene organisieren.

Aufgabe dieser Arbeitermassenorganisation muß es sein, als Bindeglied zwischen der Parteiund der breiten Masse der Werktätigen zu wirken. Muß es sein, in Zirkeln, Flugschriften, Broschüren, die Lehre des wissenschaftlichen Sozialismus zu verbreiten. Muß es sein, an allen spontanen Kampfaktionen der Arbeiterklasse teilzunehmen. Muß es sein, eine breite Agitation auf politischem Gebiet zu entfalten: Gegen den Neofaschismus, Polizeiterror und Klassenjustiz, Klarheit über das Wesen des Parlamentarismus, des Reformismus, des Revisionismus und so weiter schaffen. Denn die ökonomische wie die politische Agitation sind für die Entwicklung des Klassenbewußtseins des Proletariats gleichermaßen notwendig, sind die zwei Seiten einer Medaille.

Das heißt, wie in der Jugendmassenorganisation der Partei die jungen Genossen in der Lagesein sollen, Kollektive selbständig anzuleiten, müssen ältere Genossen, Arbeiter und Angestellte, ideologisch in die Lage versetzt werden, in den Betrieben die mit ihnen Sympathisierenden nach und nach zu organisieren und anzuleiten. Jeder Genosse sollte sichdarüber klar sein, daß es keinesfalls genügt, allwöchentlich an einer Zellensitzung teilzunehmen, sondern daß es für jeden Genossen schon nach dem Statut unserer Partei Pflicht ist:

a) mit den parteilosen Massen eine enge Verbindung zu schaffen, sie von der Richtigkeit derPolitik zu überzeugen, ihre Vorschläge und Forderungen zu berücksichtigen;

b) seine Arbeit in den Massenorganisationen sowie in geeigneten Institutionen entsprechendden Beschlüssen der Partei im Interesse der Werktätigen durchzuführen

Bei der Schaffung der Arbeitermassenorganisation sollten wir unbedingt von der objektiven Wirklichkeit ausgehen und uns nicht von subjektiven Wünschen leiten lassen. Daß es zur Gründung der Jugendmassenorganisation, der „Roten Garde“ kam, lag nicht nur an der Initiative der Partei, es lag u. a. daran, daß bei der Jugend in zunehmenden Maße die Bereitschaft wuchs, sich auf revolutionärer Basis zu organisieren.

Ist diese Bereitschaft in gleichem Maße in der Arbeiterklasse vorhanden? Sie ist es noch nicht. Noch wissen die Kollegen in den Betrieben nicht, wohin sie sich orientieren sollen. Machen wir uns nichts vor, noch kennt nicht einmal jeder Hundertste unsere Partei, geschweige denn, daß er mit unseren Ansichten und Zielen vertraut ist. So hat sich im Verlauf des Wahlkampfes gezeigt, daß die Kollegen in den Betrieben, hören sie den Namen KPD/ML, uns mit den Revisionisten verwechseln. Andererseits aber zeigt sich auch, daß dort, wo wir mit Flugblättern in die Betriebe hineinwirkten, es zu fruchtbaren Diskussionen mit den dort arbeitenden Genossen kam.

Wenn wir konkrete Erfolge beim Aufbau der Arbeitermassenorganisation erzielen wollen, müssen wir dort ansetzen, wo das relativ höchste Bewußtsein in der Arbeiterschaft zu finden ist. Das ist zweifellos, wie die Streiks vor der Wahl bewiesen, beim Industrieproletariat der Fall. Aber auch das kann örtlich verschieden sein. Wichtig ist, daß die Genossen der Ortsverbände die diesbezüglichen Verhältnisse an ihrem Ort, in ihrer Stadtgenau analysieren, um den Ansatzpunkt für eine erfolgreiche Arbeit zu finden. Nehmen wir an, auf Grund unserer Analyse kämen wir zu dem Ergebnis, der Metallbetrieb X wäre ein erfolgversprechender Ansatzpunkt für unsere Agitation. Ist dort bereits ein Kollege Mitgliedunserer Partei, kann er durch mündliche Agitation Kollegen um sich sammeln und eine Rote Betriebsgruppe aufbauen und anleiten. Ist kein Genosse dort beschäftigt, müssen wir durch Flugblätter in den Betrieb hineinwirken und die Kollegen zu einer Versammlung einladen. Auch wenn nur wenige kommen, kann dies ein guter Anfang sein. Neben der notwendigen Schulung, die einfach, verständlich, interessant und betriebsbezogen erfolgen sollte, sind den Kollegen Aufgaben zu stellen. Vielleicht die Herausgabe von Flugblättern oder einer Betriebszeitung. Wichtig ist, zu beginnen, Erfahrungen zu sammeln, die sich in 2 oder 3 Monaten auf Bundesebene auswerten lassen. Solange es aber noch nicht möglich ist, die mit uns Sympathisierenden auf betrieblicher Ebene zu organisieren, muß diese Organisierung auf örtlicher, auf Stadtteilbasis erfolgen. Keinesfalls aber darf es geschehen, wie das verschiedentlich der Fall war, mit Sympathisanten unter dem Vorwand, sie genügten nicht den Anforderungen der Partei, nicht regelmässig zu arbeiten. Wo sollen die Kader für unsere Partei denn wachsen und sich bewähren, wenn nicht in den Massenorganisationen?

Überdenken wir noch einmal genau folgenden Satz des Genossen Mao Tsetung und versuchen wir, ihn bei uns anzuwenden:

„Man muß jeden Genossen lehren, die Volksmassen zu lieben, ihrer Stimme aufmerksam zulauschen; jeder Genosse soll, wohin er auch immer geht, mit den Volksmassen an dem betreffenden Ort verschmelzen, sich nicht über sie stellen, sondern in ihnen untertauchen; ausgehend vom gegebenen Bewußtseinseingrad der Massen, soll er sie aufklären, und ihr Bewußtsein heben, ihnen helfen, sich nach dem Prinzip der tiefempfundenen Freiwilligkeit schrittweise zu organisieren und nach und nach alle notwendigen Kämpfe zu entfalten, welche die inneren und äußeren Umstände zu gegebener Zeit und am gegebenen Ort erlauben.“

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