Aus den Landesverbänden

ADF, Bundestagswahl 1969, Bild 1 [Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart]. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 3. Jg., Oktober 1969

Worms, September 1969

Die ADF veranstaltet eine Bürgerversammlung, kritische Jugendliche und Marxisten-Leninisten nehmen daran teil. Geduldig und sachlich setzen sich die Kritiker mit Janecek und Büscher (ADF-Kandidaten und DKP-Mitglieder) auseinander. Die ADF-Redner werdenunsachlich, polemische Attacken und überhebliche Antworten („Lernt ihr doch erstmal von uns Alten!“) ersetzen Argumente, entlarven völlig die Widersprüche der revisionistischen Ideologie. Später heißt es, „ihr habt die Wahlversammlung zur Grundsatzdiskussion umfunktioniert.“ Es paßt den Herren also nicht, wenn das Volk etwas über die Grundsätze der proletarischen Bewegung erfährt. Was nun die „kleinen und mittleren Funktionäre“ der DKP Worms, „unsere Klassenbrüder“, unternehmen, um die „sachliche Diskussion“ mit unsweiterzuführen, wird wohl bei den immer noch gutwilligen DKP-Mitgliedern und -sympathisanten Empörung auslösen und ihnen hoffentlich die Augen öffnen.

Um einen Exponenten der Wormser Marxisten-Leninisten zu diffamieren, und ihn indiskutabel (!) zu machen, scheuen die Wormser Funktionäre nicht davor zurück, Verleumdungen zu verbreiten und mit körperlicher Gewalt zu drohen.

Aus Wut darüber, daß es ihnen auf ihrer Wahlveranstaltung nicht gelungen ist, das Volk zu verdummen und ihm das parlamentarische System zu verkaufen, scheuen sie sich nicht, zu behaupten, der Genosse B.F. habe:

1. Ein von ihm unterzeichnetes Flugblatt verbreitet, in dem die DKP verleumdet werde.
2. den ADF-Kandidaten als Schwein bezeichnet und
3. als Höhepunkt der Verleumdungskampagne, Plakatständer der ADF beschädigt.

Zu Punkt 3 haben die Revisionisten bereits die Klassenjustiz mobilisiert und Strafantrag gestellt. Sie haben B. F. angedroht, falls sich der Punkt 3 bewahrheitete, ihn zu verprügeln.

Der Haß und die Borniertheit, die einem da entgegenschlagen, läßt uns fragen, ob man Feinde nicht doch wie Feinde behandeln soll. Ob es richtig ist, diesen „geduldig und beharrlich wieder und wieder“ etwas „aufzuzeigen“ und sie sonst zu schonen.

Keinesfalls ist es richtig, pauschal von den „kleinen und mittleren“ Klassenbrüdern zu reden, wie das im letzten ROTEN MORGEN geschehen ist. Eine Analyse zur richtigen Behandlung der Widersprüche im Volk darf keine derartigen groben Verallgemeinerungen beinhalten.

Es bleibt nur eines übrig: Jeder Genosse muß an seinem Ort gewissenhaft analysieren, wen er von den kleinen und mittleren DKP-Funktionären wie einen Feind und wen er wie einen Freund behandelt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß nicht nur in Worms fanatische Revisionisten die lokale Parteiführung der DKP besetzen, sondern das ist fast überall in derBRD so. Wie anders kamen Leute wie Bachmann und Kapluck an die Spitze einer „kommunistischen“ Partei, wenn nicht durch blinden Gehorsam der lokalen Fanatiker.

Genau wie deren große Vorbilder, die sowjetrevisionistische Renegatenclique, die, um die großen Gedanken Mao Tsetungs von den Sowjetvölkern fernzuhalten, sich nicht scheuen, einen Bruderkrieg vom Zaun zu brechen, scheuen sich weder die großen noch kleinen Handlanger der Führung der KPdSU Verleumdungen zu verbreiten, um Marxisten-Leninisten bei ihrer Aufklärungsarbeit in den Reihen der DKP zu behindern.

Es ist dies tatsächlich der gemeinste und schäbigste Trick, politische Gegner auszuschalten. Nicht nur die Spitzenfunktionäre, auch die „kleinen und mittleren“ haben von Strauß, Kiesinger, Thadden & Co. gelernt. Worin nun der Unterschied zwischen der Reaktion und einer gewissen Sorte von DKPlern besteht, liegt auf der Hand: Von Strauß und Co. weiß das Proletariat, daß diese auf der Seite des Kapitals stehen, von den „Kommunisten“ im Dienst der Herrschenden weiß es noch wenig.
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