Unser Verhältnis zur DKP

Renegat Herbert Wehner, heute SPD. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 3. Jg., Juli/August 1969

„In der Maiausgabe ROTER MORGEN ist der NPD-Boss Adolf von Thadden mit dem DKP-Vorsitzenden Kurt Bachmann verglichen worden. Ich halte das für einen groben Fehler!

Natürlich ist Kurt Bachmann als Vorsitzender der revisionistischen DKP ein Arzt am Krankenbett des Kapitalismus, natürlich sind die Revisionisten eine Agentur des Klassengegners in der Arbeiterklasse, aber deshalb gleich den Boss der neuen Nazis, von Thadden, mit Kurt Bachmann zu vergleichen, muß jeder, auch der KPD/ML wohlgesonnene DKP-Genosse, als Beleidigung empfinden.Was man auch über den Revisionisten Bachmann Negatives zu berichten weiß, eines aber sicher nicht: daß er mit den Faschisten paktierte oder paktiert. Er war immerhin jahrelang in faschistischen Konzentrationslagern und hat deshalb unter der Herrschaft der Faschisten enormes persönliches Leid erfahren und schon allein deshalb damals Gutes im Sinne der deutschen Arbeiterbewegung geleistet. Natürlich wiegt das nicht seinen heutigen Verrat auf. Der muß ganz klar analysiert und verurteilt werden, aber auf gar keinen Fall in dieser falschen Form. Wenn wir die guten Genossen der DKP für die KPD/ML gewinnen wollen, müssen wir uns vor solchen Fehlern hüten, denn das kann unsere gesamte Überzeugungsarbeit innerhalb der DKP zunichte machen. Ich bitte Euch deshalb das zu berichtigen und es in Zukunft zu vermeiden.“

Vorstehende Kritik übersandte uns ein Kölner Genosse unserer Partei. Benutzen wir sie, um unser Verhältnis zur DKP/KPD – was in Wirklichkeit eins ist – zu untersuchen. Um welchen Satz im ROTEN MORGEN handelt es sich. Zitieren wir wörtlich: „Zwar unterscheidet Bachmann & Co. nichts von von Thadden, Strauß, Kiesinger usw., mit denen sie gemeinsam auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, aber alles von Marx, Engels und Lenin, auf die sie sich heuchlerisch berufen.“

Der Vergleich Bachmanns mit von Thadden ist es also, der den Kölner Genossen stört. Er selbst unterscheidet, indem er vom NPD-Boss und sachlich vom DKP-Vorsitzenden spricht. Vorsitzender also. Wir können es uns leicht machen und Lein oder auch Stalin zitieren, die sich nicht scheuten, von ähnlichen Figuren wie Bachmann von Lakaien, parlamentarischen Kretins und Schuften (in Bezug auf Kautsky) zu sprechen. Oder will der Genosse den chinesischen Genossen den Vorwurf machen, daß sie Breshnew und Kossigin mit den alten imperialistischen Zaren vergleichen? Was würde er sagen, wenn morgen die neuen Zaren im Kreml ein Aggressionskrieg gegen die Volksrepublik China entfachen und „Vorsitzender“ Bachmann ihnen jubelnd Beifall zollt?

Natürlich muß man differenzieren und kann nicht alles in einen Topf werden. Insofern hat auch der Kölner Genosse recht. Zu kritisieren bezüglich des Satzes im ROTEN MORGEN ist auf jeden Fall das Wort „nicht“. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Bachmann einerseits und von Thadden, Strauß und Kiesinger andererseits.. Zum Beispiel von den Letztgenannten weiß ein groß Teil der deutschen Arbeiterklasse, daß sie die Vertreter der Interessen der Monopolbourgeoisie sind. Von Erstgenannten weiß sie das nicht. Das aber macht das Wirken solcher Personen wie Bachmann so gefährlich, daß sie mit ihrer proletarischen Vergangenheit, ihre Inhaftierung hausieren gehen, um ihre Verräterrolle zu verschleiern. Auch Kautsky und Trotzki hatten, bevor sie zu Verrätern an der Sache des Proletariats wurden, Beträchtliches im Sinne des Sozialismus geleistet – und auch der Renegat Wehner war in Emigration und einstmals Politbüro-Mitglied der KPD.

Der Kölner Genosse behauptet, da? Bachmann nicht mit den Faschisten paktierte oder paktiert. Daß er mit ihnen früher nicht paktierte, ist anzunehmen, seine Vergangenheit beweist es. Ober er heute mit ihnen paktiert, bliebe zu untersuchen.

Bachmann & Co. Werden natürlich energisch von sich und auf ihren Kampf gegen die NPD hinweisen, wenn man sagen würde, sie paktieren mit Faschisten. Aber wer sagt denn, daß die offen auftretenden NPDler die einzigen Faschisten in der Bundesrepublik sind. Wer sagt denn, daß die pffene Faschisierung der Bundesrepublik, die Umwandlung in einen faschistischen Staat über die NPD kommen muß. Viel eher ist anzunehmen und alle Anzeichen deuten darauf hin, daß es die die derzeit herrschenden Kräfte in der CDU/CSU sein werden, die ihren Ausweg aus der Krise in der Errichtung einer faschistischen Diktatur suchen werden. Mit ihen aber paktieren Bachmann & Co. in dem Sinne, daß sie es unterlassen, die Arbeiterklasse, die breiten Volksmassen zum revolutionären Sturz auf dieser Kräfte aufzurufen und zu organisieren. Stattdessen faseln sie vom friedlichen Übergang zum Sozialismus auf parlamentarischen Weg, leugnen die Notwendigkeit der Errichtung der Diktatur des Proletariats und versuchen den Massen einzureden, daß es notwendig sei, die „Demokratie“ zu erhalten und zu verbessern. Damit verfolgen sie genau die Linie der modernen Revisionisten in der KPF und KPI.

Nur in etwas unterscheidet sich die DKP/KPD von diesen Parteien. Das ist ihre sklavische Haltung gegenüber den Sowjetrevisionisten. Das zeigte sich wieder einmal deutlich anläßlich des revisionistischen Gipfeltreffens in Moskau. Versuchten andere Parteien im Zusammenhang mit den von den Sowjetrevisionisten geführten wütenden Angriffen gegen das sozialistische China, aus welchen Gründen auch immer, Zurückhaltung zu üben, beeilten sich die deutschen Revisionisten eifrig den Bonzen im Kreml zu applaudieren.

W. Ulbricht, SED: „Wir sind zutiefst betroffen und empört, über die aggressiven militärischen Vorstöße, die von der chinesischen Führung an der der sowjetisch-
chinesischen Grenze organisiert werden.“

G. Danelius, SEW: „Wir sind auch völlig einverstanden, mit dem Teil der Rede Leonid Breshnews, in der er die abenteuerliche und Spalterposition der Führung der KP Chinas einer prinzipiellen Kritik unterzieht.“

M. Reimann, KPD: „Wer tagaus, tagein die Sowjetunion und die Partei Lenins verleumdet, wer ohne Unterlaß und in immer größerem Ausmaß bewaffnete Grenzprovokationen gegen das stärkste Land des Friedens und des Sozialismus anzettelt, der benutzt das Wort ‚Sozialismus‘ nur dazu, seine nationalistische Großmachtpolitik zu tarnen.“

Nationalistische Großmachtpolitik? Daß wir nicht lachen. Wer hat denn seine Truppen in anderen Ländern stationiert?

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