„LYRIK“ À LA BRESCHNEW

Am 22. Januar 1969 ereignete sich ein für die Sowjetunion bis dahin beispielloser Vorfall: Ein Mann schoss vor dem Moskauer Kreml auf die Fahrzeugeskorte des Staatschefs Leonid Breschnew. Ein Mensch starb, vier weitere wurden verletzt. Doch der Attentäter wurde nicht zum Tode verurteilt. Er lebt noch heute. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 3. Jg., Juli/August 1969

Immer wieder gibt es naive Menschen, die den Marxisten-Leninisten vorwerfen, in ihren Anklagen gegen die heute in der Sowjetunion herrschende Clique zu „übertreiben“. Aber was sagen sie zu dem, was nun unter Breshnew und Kossygin als „Lyrik“ und „Literatur“ ins russische Volk geschleudert wird? Was ist chauvinistische Kriegshetze, was ist Faschismus, wenn nicht das?! Aus welcher Geisteswelt stammen denn all diese Begriffe und Vorstellungen, mit denen hier ununterbrochen ope-riert wird? Wer kann leugnen, daß es die Begriffe und Vorstellungen des wildesten Rassismus und Faschismus sind?

Schon anläßlich des sowjetisch-revisionistischen Überfalls auf die chinesische Insel Dschenbao hatte der im Westen so stark hofierte russissche „Dichter“ Jewtuschenko in einem kriegshetzerischen „Gedicht“,  um ‚die gelbe Gefahr‘ zu be-schwören, von den „neuen Khans der Mongolei“ gesprochen, die mit „Bomben in den Händen“ die „Erde Rußlands“ erobern wollten. Dabei ignorierte er völlig die Tatsache, daß die Chinesen keine Mongolen sind, und daß sie selbst Hauptopfer der mongolischen Khans (etwa des Dshingis Khan) waren und daß der heutige Staat der Mongolen, die „Mongolische Volksrepublik“, eine Halbkolonie der revisionistischen Führungsclique im Kreml ist.

Auf seinen Spuren, denen der wüsten Pogromhetze, schreitet auch noch sein Dichter-kollege Wossenessenski, von dem nebenstehen-der Erguß stammt.

„Als dein Wachhund, Epoche, schlag ich Alarm vor dem dösenden GUM

Ich schmecke Kutschum! …

Ich rieche Urin auf den Tapisserien des Louvre – …

Leute, wacht auf aus heißgeliebter Jugend,

Ich schmecke Kutschum!

Horch, es fängt an – der Koch mit den vorstehen-den Backenknochen schneidet das Hirn aus leben-den, winselnden Hunden …

Werden Astronauten, die morgen zum Mars star-ten, übermorgen in eine Epoche des viehzüchtenden Feudalismus zurückkehren?

Wird Shakespeare zum Geständnis wegen Un-kenntnis irgendwelcher „ismen“ gezwungen?

Wird Strawinsky mit einem Mülleimer auf grauem Haupte durch schreiende Straßen geschleppt? …

Ich denke – M a s s e  o d e r  E i n z a h l ?

Was dauert länger – Jahrhundert oder Augenblick, den Michelangelo begriff?

Der  U n m e n s c h  d e r  E p o c h e  rückt mechanisch über Gebirge, Schritt für Schritt, der Unmensch, …

sein Schatten schleift über die Erde, wie ein Sklave in Fesseln b l u t i g färbt die Rakete den Fernsehschirm, d e r  U n m e n s c h.

An Marx nagen die H u n g e r r a t t e n,

reißen die Bruderpartei nieder, bauen die U n m e n s c h p a r t e i.

D s c h i n g i s – U n t e r m e n s c h e n t u m steigt wie Teig,

der Unmensch . . .

Kutschumismus m a c h t  L a m p e n s c h i r  m e  a u s  K i n d e r h a u t.

Die heilige Mutter von Susdal leuchtet von weißer Wand

Müssen wir wieder einmal den Planeten auf unseren Schultern tragen? Welch eine Zeit!

B e t e t  f ü r  R u ß l a n d und sein unglaubliches Schicksal!

F ü r  u n s e r e  S e l b s t l o s i g k e i t,  , wie die Gestirne, alle Geschosse für R o m , für W i e n , schlagen i n  u n s!

R u ß l a n d  a l s  R e t t e r! Welche Batus auch kommen – i m m e r Rußland, w i e d e r  Rußland, immer Rußland, Rußland ist de geöffnete Hand, und Nowgorod strahlt zum Himmel

Deine fürchterlichen Batus – s i e  w e r d e n  w i n  s e l n wie Mamai.

Meine Mutter, Rußland, gib dich nicht auf, b a l l e  d i e F a u s t !

Durch den peitschenden Regen dieses kosmi-schen Herbstes,

G e b o r g e n, m i t  R u ß l a n d  u m  d i e  S c h u l  t e r n  e i l t  d a h i n  d i e  W e l t.“

Die hier zitierten Mongolen-Khans Kutschum, Batu und Mamai waren bekanntlich ebenfalls keine Chinesen. Aber was macht das diesem Dichterling schon aus. Wer wie Jewtuschenko in seinem „Gedicht“ schreibt: Die Geschichte zeigt, daß Rotgardisten stets zu Mördern wurden!“, der hat alles über seinen Standpunkt gesagt.

Wir identifizieren nicht einfach die ganze gegenwärtige sowjetische Literatur und schon gar nicht das sowjetische Volk mit den ekelerregenden Ergüssen der Wossnessenski, Jewtuschenko und Konsorten – auch wenn diese Ergüsse in den offiziellen sowjetischen Literaturzeitungen erscheinen und in „volkseigenen“ Verlagen gedruckt werden. Doch erschaudernd erkennen wir aus diesen Erzeugnissen die schließlichen Konsequenzen des modernen Revisionismus, wohin seine Entwicklung geht!  

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