Die Partei stärken

Berlin, Bernauer Straße (Westseite). Bild: Archiv Roter Morgen. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 4. Jg., März/April 1970

Um wirksame politische Arbeit leisten zu können, benötigt man Geld. Geld für Papier, für Farbe, für Bücher, Geld für Fahnenstoff, Fahrgeld, Druckmaschinen, Megaphone und vieles andere mehr.

Dieser Tatsache bewußt war sich auch die KPD/ML-Ortsgruppe Karlsruhe. Um die finanzielle Lage der Parteikasse zu verbessern, mußte also etwas unternommen werden. Was Beiträge und gelegentliche Spenden bringen, reicht bei weitem nicht zur Deckung notwendiger Anschaffungen. Als wirksame Mittel zur Verbesserung der Kassenlage erschien den Karlsruher Genossen deshalb der Arbeitseinsatz der gesamten Gruppe. Nach langen zähen Verhandlungen mit einer Firma erhielten sie schließlich den Auftrag, einen Baum zu fällen und das anfallende Holz und Reisig zu beseitigen.

Die Genossen nahmen sich für die Tage, an denen der Baum gefällt werden sollten, Urlaub. Bereits um 7.00 Uhr früh standen sie an einem naßkalten Tag vor dem Bau: Es handelte sich um einen mächtigen, etwa 20 m hohen Kastanienbaum, der hoch oben in fünf mächtigen Ästen steil auslief. Er stand in einem kleinen Innenhof, der von allen Seiten durch Häuser begrenzt wurde. Wie sollt es den Genossen unter diesen Umständen gelingen, den Baumriesen zu fällen, ohne die Häuser zu beschädigen? Sich der Verpflichtung der Partei gegenüber aber voll bewußt, dachte man an den Satz MaoTsetungs: „Fest entschlossen sein, keine Opfer scheuen und alle Schwierigkeiten überwinden, um den Sieg zu erringen“, und machten sich an die Arbeit. So gelang es den Genossen nach langen Überlegungen schließlich, eine Methode zu finden, wie man trotz der erschwerten Bedingungen zum Ziel kommen würde. Mit Seilen, Leitern und einer geborgten Motorsäge ging man an die Arbeit, strömender Regen, der die Genossen vollkommen durchnäßte, blieb unbeachtet vom revolutionären Elan. Auch die ständigen Gefahren, die durch herabstürzende Äste entstanden, hinderten nicht an der Arbeit. „Arbeit bedeutet Kampf“, sagt Mao Tsetung. Alle Genossen sollten diese Wahrheit verstehen lernen.

Angeseilt am Baum, dessen Ring vom Regen glitschig geworden war, arbeitete in den schwindelnden Höhe von 15 m ein Genosse mit laufender Motorsäge. Es dauerte lang, bis man den Baum gefällt und mit Hilft von Lastwagen, die sympathisierende Arbeiter besorgt hatten, die Holz- und Reisigmassen beseitigt hatte. Zwei Tage lang schufteten die Genossen vom frühen Morgen bis tief in die Dunkelheit hinein. Dann war es geschafft! Die mühsame Arbeit war getan! Genügend Papier, ein gutes Megaphon und andere wichtige Dingen können endlich angeschafft werden.

Mag das Beispiel der Karlsruher Genossen für alle Gruppen unserer Partei eine Anleitung dafür sein, wie man revolutionäre Haltung in der Praxis beweisen kann! Vergrößert die Mittel der Partei durch Arbeitseinsätze, stärkt damit unsere Kampfkraft!

Erneuter bewaffneter Terrorüberfall der Münchener Polizei auf die Rote Garde München!

Am Freitag, dem 6.3.70 um 6.00 Uhr früh, schlug die Münchner Polizei erneut zu. Sie durchwühlte sowohl Zentrum der ROTEN GARDE als auch zwei weitere Privatwohnungen von Rotgardisten.

Polizeigewalt. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN

17 zivile und 25 uniformierte Beamte der Münchner Polizei – erneut mit einem MP bewaffnet – brachen mit Brachialgewalt die Tür zu den Versammlungsräumen der ROTEN GARDE in der Georgenstraße auf. Sie durchwühlten alle Räume und hinterließen einen furchtbaren Saustall. Obwohl sich der Durchsuchungsbefehl nur auf die Räume der ROTEN GARDE beschränkte, wurde ohne zu zögern, die Privatwohnung eines Rotgardisten umgestülpt. Trotz mehrmaliger Aufforderungen wurden dem Rotgardisten der Durchsuchungsbefehl nicht ausgehändigt.

Gleichzeitig wurde ein Wohnhaus, in dem unter anderem ein Rotgardist wohnt, von 32 Beamten durchsucht. Die Polizeibeamten schreckten nicht einmal davon zurück, sämtliche im Haus befindlichen Wohnungen von größtenteils politisch nicht engagierten Leuten zu durchsuchen.

Ebenfalls wurde eine Etage, in der Rotgardistin ein Zimmer als Untermieterin bewohnt, vollständig durchsucht.

In allen drei Fällen wurden sowohl die Privatwohnungen von Rotgardisten als auch von unbeteiligten Leuten durchsucht, obwohl sich der Durchsuchungsbefehl nur auf die Versammlungsräume der ROTEN GARDE beschränkte. Ebenfalls wurde in allen drei Fällen den Betroffenen gewaltsam verweigert, einen Anwalt zu benachrichtigen.

Die ROTE GARDE – München stellt wegen den oben genannten Gründen Strafanzeige und Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Staatsanwaltschaft und Polizei.

.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*