Enver Hoxha: Rede auf der Moskauer Konferenz 1960, II. Teil

Enver Hoxha entlarvt 1960 auf der Moskauer Konferenz die Chruschtschowrevisionisten. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN

ROTER MORGEN, 5. Jg., Februar 1971

Der ROTEMORGEN setzt in dieser Ausgabe den Abdruck einer Übersetzung der historischen Rede fort, die Genosse Enver Hoxha auf der Moskauer Konferenz der 81 kommunistischen und Arbeiterparteien vom November 1960 hielt.

Der letzte Teil dieser Rede wird im nächsten RM erscheinen.

„Man muß sagen, daß insbesondere in der letzten Zeit in der internationalen kommunistischen Bewegung und in den Beziehungen zwischen einigen Parteien tiefe ideologische und politische Meinungsverschiedenheiten entstanden sind, deren weitere Vertiefung unserer großen Sache nur Schaden bringen würde. Deshalb ist die Partei der Arbeit Albaniens (PdA) der Meinung, daß man die Fehler und die negativen Erscheinungen,  welche bisher aufgetreten sind, verurteilen und korrigieren muß.

Hier möchten wir uns ein wenig mit der Bukarester Beratung beschäftigen, in der unsere Partei ihre Meinungsverschiedenheiten, die zwischen der KPdSU und der KP Chinas entstanden sind, bekanntlich nicht äußerte, sondern sich schon damals das Recht vorbehielt, dies in der jetzigen Beratung der Vertreter der Kommunistischen und Arbeiterparteien zu tun. Damals erhoben die sowjetischen und einige Genossen anderer Bruderparteien allerhand Anklagen gegen die PdA, aber niemand machte sich die Mühe, einmal zu fragen, warum denn unsere Partei eine solche Haltung gegenüber der allgemeinen Strömung einnahm, warum unsere, dem Marxismus-Leninismus und der Moskauer Deklaration aufrichtig ergebene Partei plötzlich beschuldigt wurde, daß sie angeblich „gegen den Marxismus-Leninismus und gegen die Moskauer Deklaration“ sei, warum unsere mit der Sowjetunion und mit der KPdSU stets so eng verbundene Partei sich plötzlich in Widerspruch zu der sowjetischen Führung befand.

Jetzt haben alle Genossen sowohl das sowjetischen Informationsmaterial als auch jenes der KP China in ihren Händen und können darüber selbst ein Urteil fällen. Wir haben sowohl das sowjetische als auch das chinesische Material gelesen und studiert, beide Dokumente mit dem Parteiaktivv eingehend diskutiert und kommen in diese Beratung mit den einheitlichen Auffassungen unserer Partei.
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Der revisionistische Putschversuch auf der Bukarester Vorkonferenz vom 24. Juni 1960

Bekanntlich wurde anläßlich des Parteitags der Rumänischen Arbeiterpartei unerwartet und ohne vorherige Ankündigung, zumindest was unsere Partei betrifft, auf Initiative der Führung der KPdSU am 24. Juni dieses Jahres eine Beratung in Bukarest organisiert. Statt auf Grund des durch die Schreiben vom 2. und 7. Juni erzielten Einvernehmens ledglich „Gedanken auszutauschen“ und das Datum der heutigen Beratung zu bestimmen, befaßte sie sich mit einer ganz anderen Frage, nämlich mit der ideologischen und politischen Anklage gegen die KP Chinas auf der Basis eines sowjetischen „Informationsmaterials“. Über dieses wenige Stunden vor der Beratung noch ganz unbekannte  „Material“ sollten die Delegierten der Kommunistischen und Arbeiterparteien diskutieren, sich zugunsten der Auffassungen des Zentralkomitees der KPdSU äußern, ja über eine so wichtige Angelegenheit des internationalen Kommunismus sogar eine Entscheidung treffen, obwohl sie wegen ganz anderer Fragen nach Bukarest gekommen waren und von ihren Parteien gar keine entsprechenden Vollmachten hatten (jedenfalls unsere Parteidelegation nicht). Unter diesen Umständen war eine ernste Diskussion dieses Materials, das so schwere Anklagen gegen eine andere marxistisch-leninstische Partei enthielt, ein Ding der Unmöglichkeit, denn man hatte weder den Delegierten und insbesondere nicht den Führungen der kommunistischen und Arbeiterparteien Gelegenheit gegeben, diese Material eingehend zu studieren, noch der angeklagten Partei die nötige Zeit gesichert, damit auch sie ihren Standpunkt rechtzeitig und in allen Formen, die der Ankläger benützte, klar machen kann.  Tatsache ist, daß es der sowjetischen Führung in erster Linie darum ging, ihre Anklage gegen die KP Chinas rasch durchzusetzen und diese unbedingt zu verurteilen.

(Anmerkung RM Am 2. Juni 1960 machte das Zentralkomitee der KPdSU mittels eines Schreibens den Vorschlag Ende Juni eine Beratung der Vertreter der Kommunistischen und Arbeiterparteien des sozialistischen Lagers abzuhalten, um „über die heutige internationale Lage Gedanken auszutauschen und unsere weitere gemeinsame Linie“ festzulegen. Am 7. Juni 1960 erklärte aber das Zentralkomitee der KP der SU in einem anderen Schreiben, diese Beratung sollte nicht im Juni abgehalten werden, sondern das Datum ihrer Abhaltung solle auf einer Vorversammlung der Vertreter der Kommunistischen und Arbeiterparteien der sozialistischen Länder in Bukarest während des 3. Parteitags der Rumänischen Arbeiterpartei bestimmt werden.)

Das war die Absicht Chruschtschows und der anderen sowjetischen Genossen in Bukarest und keineswegs die Erörterung von Fragen der internationalen Politik, welche nach dem Scheitern der Pariser Gipfelkonferenz entstanden waren und unser Lager und die ganze Welt sehr beschäftigte.

Unsere Partei wäre mit jeder internationalen Beratung bzw. Tagesordnung einverstanden gewesen, vorausgesetzt, daß sie ordnungsgemäß einberufen und von allen Parteien gebilligt wurde, daß die Tagesordnung vorher klar festgelegt war, die nötigen Materialien den Kommunistischen und Arbeiterparteien rechtzeitig ausgefolgt waren und ihnen genügend Zeit gelassen war, diese Materialien zu studieren und sich darauf so vorzubereiten, daß eventuell auch ihre Politbüros und notfalls auch die Plenartagungen der Zentralkomitees der Parteien die Beschlüsse, welche auf der betreffenden Beratung gefaßt werden sollten, billigen hätten können. Die Beratungen hätten also gemäß den Leninschen Normen, welche die Beziehungen zwischen den Kommunistischen und Arbeiterparteien regeln, auf der Basis der vollen Gleichberechtigung der Parteien im Geist der internationalen Solidarität und der hohen kommunistischen Moral stattfinden müssen.

Die Bukarester Beratung entsprach diesen Normen nicht. Deshalb verurteilte und verurteilt unsere Partei diese Beratung, in der die Leninschen Normen verletzt wurden, als unkorrekt.

Wir sind der Ansicht, daß die Bukarester Beratung der Sache der internationalen kommunistischen Bewegung, der Sache der internationalen Solidarität der Werktätigen, der Sache der Beilegung der ideologischen, politischen und organisatorischen Meinungsverschiedenheiten unter den Kommunistischen und Arbeiterparteien in einem marxistisch-leninistischen Geist, einen sehr großen Schaden zugefügt hat. Schuld daran tragen die Genossen der Führung der KPdSU, welche diese Beratung organisierten, in dieser Form konzipierten und ihr solche unmarxistischen Normen zugrunde legten.

Die Absicht war, die KP Chinas von der internationalen kommunistischen Bewegung wegen imaginärer Fehler und auf Grund von Beschuldigungen verurteilen zu lassen, die jeder Basis entbehrten. Das ist die feste Überzeugung des Zentralkomitees der PdA nach dem Studium der Tatsachen und des sowjetischen und chinesischen Materials, welches die PdA heute besitzt, sowie nach unserer eingehenden Analyse der internationalen Situation und der offiziellen Haltung der KPdSU und der KP Chinas. Die PdA ist einmütig der Auffassung, daß die sowjetischen Genossen in Bukarest einen schweren Fehler begangen haben, als sie die KP Chinas ungerechterweise verurteilten, sie sei angeblich vom Marxismus-Leninismus abgewichen und habe die Moskauer Deklaration vom Jahre 1957 verletzt und gebrochen. Die gesamte PdA ist der Meinung, daß die sowjetischen Genossen einen schweren Fehler begingen, als sie die KP Chinas als „dogmatisch“ und „kriegshetzerisch“ anklagten und ihr vorwarfen, sie sei „gegen die friedliche Koexistenz“, sie wünsche im sozialistischen Lager und in der internationalen kommunistischen Bewegung „einen privilegierten Platz“ usw.

Die sowjetischen Genossen haben auch einen schweren Fehler begangen, als sie die Liebe und das große Vertrauen, welche alle Kommunisten zur Sowjetunion und zur KPdSU haben, auszunutzen versuchten, um ihre falsche Haltung zur KP Chinas auch den anderen kommunistischen Parteien aufzuzwingen.
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Die „Arbeits“- Methoden der sowjetrevisionistischen Führer

Für die PdA war es schon von Anfang an, als die sowjetischen Genossen begannen, die Genossen unserer Delegation in Bukarest fieberhaft und in ganz unzulässiger Weise zu bearbeiten, völlig klar, daß die sowjetischen Genossen bemüht waren, durch Argumente, die  jeder Grundlage entbehrten, und durch Druck die Delegation der PdA in ihre Falle zu locken, damit sie sich ihren falschen Auffassungen anschließe.

Wichtig war für Genossen Chruschtschow lediglich ( und das sagte auch Genosse Antropow zu unserem Genossen Hysni Kapo). „ob wir uns auf die Seite der Sowjetunion stellen werden oder nicht“. Dieser Haltung hat Genosse Chruschtschow auch in anderer Form Ausdruck gegeben, nämlich durch seine feindlichen Zwischenrufe gegen unsere Partei in Bukarest. Auch die unrichtige und ungerechte Haltung der sowjetischen Führung und des Personals der Sowjetbotschaft in Tirana, worüber ich noch sprechen werde, zeigte das.

Für die Genossen der sowjetischen Führung hatte die Meinung einer marxistisch-leninistischen Partei, gar keine Bedeutung, wichtig war ihnen bloß, daß diese die selbe Haltung einnahm, welche das Zentralkomitee der KPdSU in Bukarest eingenommen hatte.

Die PdA war von der KPdSU, welche die Bukarester Beratung organisierte, überhaupt nicht informiert worden, daß anläßlich des Parteitages der Rumänischen Arbeiterpartei beabsichtigt war, die KP Chinas wegen angeblicher schwerer Fehler in ihrer politischen Linie anzuklagen. Deshalb kam diese der PdA ganz unerwartet. Jetzt aber erfahren wir, daß mit Ausnahme der PdA, der KP Chinas, der Arbeiterpartei Koreas und der Partei der Werktätigen Vietnams, die anderen Parteien wußten, daß die Beratung in Bukarest abgehalten würde, um China anzuklagen. Wenn das wahr ist, dann ist es ganz klar, daß die Sache noch viel ernster wird und daß wir es mit einer Fraktion im internationalen Maßstab zu tun haben.

Allerdings trifft diese Entwicklung unsere Partei nicht unvorbereitet, denn sie ließ es nicht an der nötigen Wachsamkeit fehlen. Unsere Partei hat in den Beziehungen mit den anderen Parteien immer die Leninschen Normen respektiert, eine hohe marxistische Achtung gegenüber der KPdSU, der KP Chinas und gegenüber allen anderen Kommunistischen und Arbeiterparteien bekundet und die Gleichberechtigung der Parteien beachtet, was sie auch von den anderen Parteien gegenüber der PdA erwartet, unabhängig davon, ob diese zahlenmäßig groß oder klein ist.

Unsere Partei stellte schon am Anfang fest, daß alle diese Normen in der Bukarester Beratung mit Füßen getreten wurden. Eben deshalb nahm sie die allen bekannte Haltung ein, welche sie angesichts des Verlaufes der Ereignisse für richtig hielt und hält.

Einige Führer von Bruderparteien bezeichneten uns als „Neutralisten“, einige beschuldigten uns, daß wir „von der richtigen marxistisch-leninistischen Linie abgewichen“ seien: diese Führer gingen sogar so weit, uns innerhalb ihrer Parteien anzuschwärzen. Wir verwerfen diese Anklagen mit Verachtung, weil sie schändliche Verleumdungen sind, die der kommunistischen Moral hohnsprechen.

Wir fragen jene, welche diese sträflichen Handlungen gegen die PdA ins Werk setzten: Hat eine Partei das Recht, ihre Meinung offen zu sagen oder nicht?

Welche Meinung äußerte die PdA in der Bukarester Beratung? Wir drückten unsere Treue zum Marxismus-Leninismus aus – und sie wird bestätigt durch das ganze Leben und den Kampf der PdA. Wir bekundeten unsere Treue zu den Grundsätzen der Moskauer Deklaration und zum Friedensmanifest vom Jahre 1957 – und sie wird bewiesen durch die von der PdA konsequent verfolgte Linie. Wir erklärten unsere Treue und unsere Bereitschaft zum Schutz der Einheit des sozialistischen Lagers – und das beweist der ganze Kampf der PdA. Wir drückten unsere Liebe und Treue  zur KPdSU und zu den Sowjetvölkern aus – und das beweist die gesamte Geschichte der Partei der Arbeit Albaniens. Wir weigerten uns aber, über „Fehler“ der KP Chinas ein Urteil zu fällen, geschweige denn letztere zu verdammen, ohne vorher den Standpunkt der KP Chinas zu diesen Fragen zu kennen, welche so verdreht, überhastet und antimarxistisch aufs Tapet gebracht wurden. Wir rieten, bei der Lösung dieser für den internationalen Kommunismus so überaus ernsten und lebenswichtigen Frage maßvoll und freundschaftlich vorzugehen und kaltes Blut zu bewahren. Das war das ganze „Verbrechen“, wegen dem wir mit Steinen beworfen wurden. Aber wir denken, daß die Steine, die erhoben wurden, um uns zu schlagen, auf den Kopf jener zurückfielen, die sie aufhoben. Die verstrichene Zeit beweist immer mehr die Richtigkeit der Haltung der PdA.

Warum beeilten sich Chruschtschow und die anderen sowjetischen Genossen so sehr, um die KP Chinas ohne Beweise und Unterlagen zu verurteilen? Kann man denn zulassen, daß Kommunisten, besonders die wichtigsten Führer einer so großen und ruhmreichen Partei, wie es die KPdSU ist, eine solche schmutzige Tat begehen? Die Antwort sollen sie selbst geben, aber auch die PdA hat das volle Recht ihre Meinung zu sagen.
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Es begann mit dem 20. Parteitag der Chruschtschowisten im Jahre 1956 

Die PdA ist der Meinung, daß die Bukarester Beratung nicht bloß ein großer Fehler war, sondern ein Fehler, der noch vorsätzlich vergrößert wurde. Man darf nicht zulassen, daß die Bukarester Beratung in Vergessenheit gerät, sondern man muß sie als einen dunklen Fleck in der Geschichte der internationalen kommunistischen Bewegung schärftens verurteilen.

Es gibt keinen Zweifel, daß die ideologischen Meinungsverschiedenheiten, die zwischen der KPdSU und der KP Chinas existieren, schon groß waren und daß sie noch gewachsen sind. Man hätte sie zwischen den beiden Parteien beizeiten und auf marxistisch-leninistische Weise beilegen sollen.

14. Februar 1956 – Der 20. Parteitag der KPdSU. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN

Laut dem chinesischen Dokument erklärt die KP Chinas, daß diese grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten unmittelbar nach dem 20. Parteitag der KPdSU entstanden sind und von den chinesischen Genossen zur Diskussion gestellt worden sind. Einige dieser Auffassungen wurden von den sowjetischen Genossen akzeptiert, die anderen hingegen verworfen.

Die PdA denkt, daß diese Meinungsverschiedenheiten, falls sie nicht zwischen den beiden Parteien selbst beigelegt werden konnten, in einer Beratung der Kommunistischen und Arbeiterparteien hätten behandelt werden sollen. Es war nicht richtig, daß diese Differenzen nicht beigelegt wurden. Und Schuld daran tragen die sowjetischen Genossen, welche diese Fragen kannten, aber bagatellisierten, weil sie von der unbedingten Richtigkeit und „Unverletzlichkeit“  ihrer Linie überzeugt waren. Das aber ist, nach unserer Meinung, eine idealistische und metaphysische Einstellung.

Wenn jedoch die sowjetischen Genossen von der Richtigkeit ihrer Linie und Taktik überzeugt waren, warum organisierten sie dann nicht rechtzeitig eine solche Beratung, um die Differenzen beizulegen? Waren etwa die strittigen Fragen zu unbedeutend, so beispielsweise die Verdammung Stalins, die große Frage der ungarischen Konterrevolution, das Problem des Weges zur Machtergreifung und viele andere Fragen, die später auftauchten?

Nein, sie waren keineswegs unbedeutend! Wir alle haben unsere eigene Meinungen über diese Fragen, weil wir als Kommunisten an ihnen allen sehr interessiert sind, weil alle unsere Parteien ihren Völkern gegenüber, jedoch auch gegenüber der kommunistischen Weltbewegung verantwortlich sind.

Um die KP Chinas wegen imaginärer Fehler und Sünden verurteilen zu können, waren  Genosse Chruschtschow und die anderen sowjetischen Führer sehr daran interessiert, die Fragen so zu stellen, als ob es sich um Meinungsverschiedenheiten zwischen China und der gesamten internationalen kommunistischen Bewegung handle. Aber über die obengenannten Fragen haben nur Chruschtschow und seine Genossen entschieden, dem Standpunkt entsprechend, es sei nicht nötig, daß eine Beratung der Vertreter aller Parteien damit befaßt werde, obwohl es sich um gewichtige Fragen internationalen Charakters handelte.

Dann kam die ungarische Konterrevolution, aber die Meinungsverschiedenheiten wurden auch jetzt nicht aufgedeckt. Was soll man von einer solchen Taktik halten, wichtige Dinge zu verheimlichen, wenn man sich von ihrer Klärung keinen Vorteil verspricht, im anderen Fall aber sogleich eine Beratung wie die in Bukarest einzuberufen und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den anderen die Auffassung aufzuzwingen, daß „China sich hinsichtlich seiner Linie im Widerspruch zu allen Kommunistischen und Arbeiterparteien der Welt“ befinde?

Die sowjetischen Genossen machten auch uns gegenüber einen solchen Versuch. Im August dieses Jahres richtete die sowjetische Führung ein Schreiben an unsere Partei, in dem sie uns ein Treffen der Vertreter unserer beiden Parteien vorschlug, „damit der Funken des Konflikts keinen Brand hervorruft“. Unsere Partei sollte sich auf die Seite der sowjetischen Führung stellen, also gegen die KP Chinas Stellung nehmen, und unsere beiden Parteien sollten auf der hiesigen Beratung eine gemeinsame Front bilden.

Natürlich verwarf das Zentralkomitee unserer Partei diesen Vorschlag und bezeichnete ihn in einem offiziellen  Antwortschreiben als antimarxistisch und fraktionistisch, weil er sich gegen eine Bruderpartei, gegen die KP Chinas, richtete. Diese korrekte und prinzipenfeste Haltung unserer Partei mißfiel natürlich der Führung der KPdSU.

Daß diese Fragen von erstrangiger Bedeutung sind, ist klar und es gibt keinen Zweifel, daß sie uns alle sehr stark interessieren; aber ebensowenig gibt es einen Zweifel für die PdA, daß die Fragen, wie sie in Bukarest gegen China zur Sprache gebracht wurden, tendenziös waren und die Verdammung und Isolierung der KP Chinas von der gesamten kommunistischen Weltbewegung bezweckten.

Für die PdA war das schrecklich und unannehmbar, nicht nur, weil sie von der Schuld der KP Chinas nicht überzeugt war, sondern auch, weil hier gegen eine große, ruhmreiche Bruderpartei auf nichtmarxistische Weise eine Aktion gestartet, weil gegen China unter der Beschuldigung des Dogmatismus ein Angriff organisiert wurde, der sich gegen den Marxismus-Leninismus selbst, gegen die Grundsätze der Moskauer Deklaration und gegen das Moskauer Friedensmanifest richtete.

In der Beratung wurden gegen die KP Chinas viele Anklagen erhoben. Das hätte sich eigentlich auch im Communique widerspiegeln müssen. Aber warum war das nicht der Fall? Wenn die Anklagen begründet waren, warum zögerte man dann und gab ein Communique heraus, welches dem Inhalt der Beratung entsprach? Warum sprach man in diesem Communique nicht von der „großen Gefahr“, welche der „Dogmatismus“ angeblich für die kommunistische Weltbewegung darstellte?

Nein, Genossen, die Bukarester Beratung kann man nicht in Schutz nehmen, denn sie war nicht prinzipienfest; sie war tendenziös, um gewisse Ziele zu erreichen, und ihr Hauptziel war nach Meineung der PdA das folgende: Indem man die KP Chinas des Dogmatismus bezichtigte, sollten einige schwere Fehler in der Linie zugedeckt werden, die zu begehen sich die Genossen der sowjetischen Führung das Recht genommen hatten.

Die sowjetischen Genossen benötigen in dieser Frage die Unterstützung der anderen Parteien, deshalb versuchten sie, diese einfach zu überrumpeln. Die sowjetischen Genossen erzielten aber nur einen halben Erfolg. Immerhin erhielten sie die Möglichkeit ihren Parteien die Verurteilung Chinas als die Frucht einer „internationalen Beratung des Kommunismus“ darzustellen. In den Kommunistischen und Arbeiterparteien, ausgenommen die PdA und einige andere kommunistische und Arbeiterparteien wurden die angeblichen „schweren Fehler“ in der politischen Linie der KP Chinas zur Sprache gebracht, über eine „einstimmige“ Verurteilung Chinas in Bukarest berichtet und alles unternommen, um die Parteien und die Völker in diesem Sinne zu beeinflussen. In einigen von diesen wurde auch die PdA verdammt.“

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