Umweltverschmutzung

Schöne Aussichten für Worms. Bild: Roter Morgen 1971

ROTER MORGEN, 5. Jg., 27. September 1971

Folge Der Kapitalistischen Produktion

Die Umweltverschmutzung ist keineswegs wie die bürgerliche Propaganda behauptet, ‚Tribut des technischen Fortschritts‘. Umweltverschmutzung ist eine Folge der kapitalistischen Produktionsweise, eine Folge der Verschwendungswirtschaft des Kapitals. In der kapitalistischen Wirtschaft, wo die Produktion auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln und der Ausbeutung der Arbeiterklasse beruht, herrscht ein scharfer Konkurrenzkampf unter den Kapitalisten. Jeder sucht dem anderen seinen Marktanteil streitig zu machen und ihn aus dem Felde zu schlagen. Natürlich ist dabei der im Vorteil, der billiger als die anderen produziert. Immer wieder die Produktionskosten ihrer Waren zu senken, das ist das gebieterische Gesetz, das die kapitalistische Konkurrenz den Kapitalisten auferlegt.

Dazu haben die Kapitalisten die ‚Entwicklungsländer‘ zu ihren Rohstoffanhängseln gemacht. Dort fördern sie die Rohstoffe auf die billigste Art, nämlich durch ungeheure Ausbeutung der dortigen Arbeitskräfte. Daß die Kapitalisten ‚Industrieabfälle‘ verschwenden und damit die Umwelt vergiften, kommt also daher, daß für die Kapitalisten die Rohstoffausplünderung billiger ist als die ‚Abfall’aufbereitung. Die Verschwendung der ‚Industrieabfälle‘ ist erkauft mit der Unterjochung der Rohstoffländer und dem Elend von Millionenmassen. Zwar enthält jeder  ‚Rohstoffabfall‘ wichtige Rohstoffe und Ausgangsprodukte für weitere industrielle Produktion; zwar kann man jeden ‚Industrieabfall‘ umgestalten in ein nützliches Produkt. Unter der Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise aber sind ‚Abfälle‘ wertloses Zeug.

Die deutsche Aluminiumindustrie beispielsweise will in den nächsten Jahren mehrere 100 000 Tonnen Rotschlamm in der Nordsee versenken, was den Fischhaushalt ernsthaft gefährdet. Rotschlamm ist ein eisenhaltiges ‚Abfallprodukt‘ bei der Aluminiumherstellung. Jederzeit könnte man daraus Stahl gewinnen. Doch dieses Verfahren ist teurer als die Ausplünderung der Eisenerzvorkommen in der Welt.

Riesige Mengen Schwefeldioxyd verlassen täglich die Schlote der chemischen Industrie und vergiften die Umwelt. Aus Schwefeldioxyd läßt sich Schwefelsäure gewinnen, die für die chemische Industrie wichtigste Säure. In China werden die Schwefeldioxyd-Abgase der Ölraffinerien durch Rohrleitungen in nahegelegene chemische Fabriken zugeführt. Dort werden die Abgase gespalten und gereinigt und man erhält aus diesen schädlichen Abgasen verschieden Gase, wie Äthylen, Propylen, Buten u. a. Nach ihrer Synthese werden diese Gase in vielfältige Ausgangsprodukte für die chemische Industrie verwandelt.

Auch den ‚Arsenschlamm‘, der gerade in Nordrhein-Westfalen das Grundwasser vergiftet, enthält wertvolle Bestandteile, z.B. große Mengen Blei und Calcium. Für die Kapitalisten ist es aber nichts anderes als ‚Abfall‘, da sie ihre Bleierze viel billiger und in viel größerem Umfang woandersher beziehen, nämlich aus ihren Rohstoffgebieten, wo sie die Arbeitskräfte zu einem Hungerlohn ausbeuten.

Die Abfallaufbereitung ist den Kapitalisten ein zu kostenspieliges und kompliziertes Geschäft in ihrem Kampf mit der Konkurrenz um neue Marktanteile. Für die Kapitalisten ist  die Abfallaufbereitung  Arbeitskraftverschwendung. Auf der einen Seite produzieren sie täglich wachsenden Müll und Abfall, aus dem wichtige Produkte gewonnen werden könnten. Auf der anderen Seite schaffen sie ein ständiges Heer von Arbeitslosen, dazu verdammt, keine gesellschaftlichen Werte produzieren zu können.

Viele Bürger, unter anderen auch die DKP-Revisionisten, erhoffen sich die Lösung des Problems durch Kläranlagen oder Filter, die die giftigen Abfälle auffangen oder ungiftig machen sollen. Verschiedene Unternehmen haben damit bereits begonnen; der Staat will in den nächsten fünf Jahren aus Steueraufkommen der Werktätigen 30 Mrd. DM dafür ausgeben. Doch das ist Verschwendung in anderer Form. Da die Stoffe nicht ausgenutzt werden können im Kapitalismus, muß noch Geld und Arbeitszeit dafür ausgegeben werden, sie unschädlich zu machen; der Abfall bleibt Abfall, er wandelt nur seine Form- eine doppelte Verschwendung.

Genauso, wie das Volk die Kosten tragen muß, die beim Transport der arsenhaltigen Fässer von den Müllhalden an ’sichere‘  Orte angefallen sind, soll das Volk dafür bezahlen, daß die Kapitalisten ihre Verschwendung auf ungiftigem Weg durchführen können.

Die DKP-Revisionisten liegen dabei ganz auf der Linie des bürgerlichen Staates. Sie fordern Filter und Kläranlagen und Gesetze vom Staat.Sie kämpfen nicht gegen die Wurzel des Übels, die kapitalistische Produktionsweise, sie kämpfen für ’saubere Abfälle‘. Sie fordern die Verschwendung gesellschaftlicher Werte nicht in giftiger, sondern in ungiftiger Form. Sie wollen nicht bloß, daß die Kapitalisten ihren Industriemüll verpulvern, sie wollen, daß er in der rechten Form verpulvert wird. Sie zeigen den Massen nicht die Fäulnis und das verbrecherische Wesen des ganzen Systems samt Staatsapparat, sondern sie kämpfen für Reformen in diesem System. Sie appellieren,  ‚ im Interesse der Bürger zu handeln‘. Sie führen die Massen in die Irre und züchten Illusionen über das Wesen des Systems. Sie zeigen den Massen nicht den richtigen Weg zur Befreiung, sondern den falschen: Im Staat um den Staat ringen, ‚Zurückdrängung der Monopole‘ durch ‚höhere Besteuerung der Großunternehmen‘.

Wir aber müssen den Massen zeigen, daß man, um die Umweltverschmutzung und die Verschwendung abzuschaffen, den Kapitalismus stürzen muß.

Will man den Kapitalismus stürzen, so muß man den Staatsapparat der herrschenden Klasse zerschlagen; denn kraft der Staatsgewalt wird die ökonomisch herrschende Klasse zur politisch herrschenden. Der Staatsapparat dient den Kapitalisten dazu, mit Gesetzen, Polizei und Armee die Klassenherrschaft aufrechtzuerhalten und über das Volk zu herrschen. Er dient den Kapitalisten dazu, überall die besten Bedingungen zur Ausbeutung der Arbeiterklasse und des werktätigen Volkes zu sichern.

Nur wenn das Volk unter Führung der Arbeiterklasse dieses Instrument der Ausbeuter zerschmettert und die Arbeiterklasse ihre Diktatur errichtet zur Niederhaltung und Unterdrückung der jetzigen Ausbeuter, kann sich das Volk befreien und Schluß machen mit Verschwendung, Umweltverschmutzung und den kapitalistischen Krisen.

 

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