Mit MP’s gegen Rote Garde

Objektive Berichterstattung in der bürgerlichen Presse – Fehlanzeige. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 4. Jg., Januar/Februar 1970

Bürgerliche Presseinformationen

Überall, wo sich die Volksmassen mit den Marxisten-Leninisten in gemeinsamen Aktionen gegen den Völkermord in Vietnam vereinigen, ist auch die bürgerliche Presse zur Stelle, um zu „informieren“. Hier einige Ausschnitte aus ihrer „Arbeit“.

Beim Verteilen eines Vietnam-Flugblattes wurde ein Münchner Rotgardist von zwei SDAJlern überfallen, die ihm etwa 200 Flugblätter entrissen und dann davonliefen. Die Münchner SDAJ hat allerdings Grund, zu solchen Aktivitäten überzugehen. So waren auf einer ihrer letzten Mitgliederversammlungen von 61 eingeschriebenen Karteileichen (in ganz Bayern etwa 300) nur 14 anwesend.  Ihre Aktivität ist trotz beträchtlicher vorhandener Geldsummen wesentlich geringer als die der RG. Bei der  Vietnam-Demonstration am 21.Januar in München, die von den DKP-Revisionisten veranstaltet wurde, organisierten auch viele antirevisionistische Kräfte – führend die ROTE GARDE und Parteigenossen – zwei Demonstrationsblöcke, um dem Friedensmarsch der Revisionisten eine revolutionäre antiimperialistische Alternative entgegenzusetzen. Im ROTE-GARDE-Block, der durch besonders viele rote Fahnen das Interesse der  Bevölkerung weckte, wurde u. a. auch ein Transparent mit der Aufschrift „Schlagt den Faschismus, US-Imperialismus und Sowjetrevisionismus“ mitgeführt.

Als die DKP-Revisionisten dieses Transparent bemerkten, schmiedeten sie einen üblen Plan. Sie entsandten einen Schlägertrupp (allen voran DKP-Vorstandsmitglied und Gewerkschaftsfunktionär Hankofer), der sich an die friedlich marschierenden Rotgardisten heranschlich, um ihnen das Transparent zu entreißen. Sie schlugen mit Fäusten auf die revolutionären Jungarbeiter und Lehrlinge ein, die mit einem solchen Angriff von Leuten, die sich „Kommunisten“  nennen, nicht gerechnet hatten. Nach einem wilden Hin und Her, bei dem die Transparentstangen zwar völlig zerbrachen, blieben die Rotgardisten jedoch Sieger.

Dieser hinterlistige Überfall auf friedliche Demonstranten zeigt das wahre Gesicht der Nachbeter der Neuen Zaren im Kreml. – Was aber machte das „Hamburger Abendblatt“ vom 22.1. aus diesem Überfall? Es schrieb: „Vor der Münchener Frauenkirche kam es während einer Vietnam-Demonstration zu Prügeleien zwischen Angehörigen der Deutschen Kommunistischen Partei und Maoistischen Gruppen, die sich „Rote Garden“ nannten.“

Im Gegensatz zu dieser „Information“ ist bürgerlichen Journalisten allerdings bekannt, wie weit die Bezeichnung „Rote Garde“ vor allem in den größeren Städten unter der Bevölkerung verbreitet ist.

Ein weiteres Beispiel bot in Westberlin der „Tagesspiegel“, als er nach der Vietnam-Demonstration im Dezember, die von Fahnen der KPD/ML und der RG angeführt wurde und wo auf der Abschlußkundgebung der Genosse Ernst Aust von der KPD/ML sprach, von der Beteiligung der in Westdeutschland verbotenen KPD schrieb. Mit dem Begriff aus dem Ehrenkodex des bürgerlichen Journalismus, der „Informationssorgfalt“, scheint es bei dem Blatt, das sich betont „unabhängig“ gibt, nicht weit her zu sein, wenn Marxisten-Leninisten mit Revisionisten verwechselt werden. Gemeinsam ist solchen Beispielen, daß die Revisionisten hochgespielt werden, um die wachsende Unzufriedenheit der Ausgebeuteten mit Hilfe des „mitbestimmenden“ Partners, der die revolutionären Traditionen über Bord geworfen hat, zu helfen, abzulenken.

In München ist die Presse inzwischen dazu übergegangen, in Verbindung mit der Polizei eine Progromstimmung gegen alle linken Grupppen, besonders aber gegen die Marxisten-Leninisten zu erzeugen.

Walter MP, 9mm. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

Am Montag, d. 16.2.70 gegen 22 Uhr drangen vier zivile Polizeibeamte mit Maschinenpistolen (Walter MP, Kaliber 9 mm, Parabellum mit einklappbarer Schulterstütze) im Anschlag, ohne Hausdurchsuchungsbefehl in die Räume der Roten Garde München ein und nahmen die Personalien der Anwesenden auf. Gerade war eine Informationsveranstaltung der RG zu Ende gegangen und einige Mitglieder und Interessenten waren noch anwesend. Da man die Sache zunächst für einen faschistischen Überfall hielt, wäre es um ein Haar zu einer Katastrophe gekommen. Der Vorfall wurde inszeniert, um die Rote Garde im Hinblick auf die Demonstration am 21. Februar gegen den Besuch des Ministers Eban in Westdeutschland einzuschüchtern. Als „Grund“ für den Überfall gab die Polizei an, die RG hätte „die Brandstifter versteckt“.

Die RG und die Partei haben Anzeige und Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben, um weitere derartige Anschläge auch gegen andere Gruppen zu verhindern.
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