Naxalbari – die neue Hoffnung für die Völker Indiens

Volkskrieg in Indien. Fotoquelle unbekannt. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 3. Jg., Mai 1969
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In der Klassengesellschaft sind Revolutionen und revolutionäre Kriege unvermeidlich; es ist sonst unmöglich, in der Entwicklung der Gesellschaft einen Sprung zu vollziehen und die reaktionären herrschenden Klassen zu stürzen, damit das Volk die Macht ergreifen kann.
…………………………………………………………………………………………………………………………………………Mao Tse-tung


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Nachdem eineinhalb Jahrzehnte lang die Finsternis der Konterrevolution über dem indischen Volk lastete, erhellte die Flamme der Revolution wieder das Land. Während vorher Studentendemonstrationen und Arbeiterstreiks meist die einzigen revolutionären Aktionen darstellten, wurde die ganze revolutionäre Bewegung im März 1967 durch den Bauernaufstand von Naxalbari, Bezirk Siliguri, Kreis Dardjeeling in Westbengalen, verstärkt.

der KDer Bezirk Siliguri umfaßt eine Fläche von etwa 270 Quadratmeilen mit 80 000 Einwohnern. Von der bebauten Fläche um Siliguri, insgesamt rund 60 000 Morgen Land, gehören 19 000 der indischen  Regierung, der Rest den Großgrundbesitzern. In den letzten Jahren vor dem bewaffneten Kampf haben die großen Guts- und Plantagenbesitzer immer häufiger das wenige Land der armen Bauern an sich gebracht. Oftmals stahlen sie den Kleinbauern auch die Ernte. Die armen Bauern besitzen so praktisch kein Eigenland mehr.Der Kampf im Kreis Dardjeeling begann Anfang 1967; seit 1965 hatten hier revolutionäre Kader der KP Indiens Arbeit unter den Massen geleistet. In den ersten Tagen des März wurde hier das befreite Gebiet mit den drei Dörfern Naxalbari, Kharibari und Phansidewa errichtet. Die Mitgliederzahl der Bauernvereinigung Kisan Sabha wuchs von 5000 (vor der Rebellion) sprunghaft auf fast 40 000. Davon waren rund 15 000 bis 20 000 hauptamtlich in der Bewegung tätig und organisierten die Bauernkomitees in den Dörfern der Umgebung. Innerhalb von eineinhalb Monaten wurden in hunderten von Bauernversammlungen die Dorfkomitees der Selbstverwaltung gebildet und bewaffnete Gruppen zur Dorfverteidigung aufgestellt. So wurden in kürzester Zeit 90 Prozent der Dorfbevölkerung in der Bauernvereinigung organisiert.

Die indischen Reaktionäre nahmen den entschlossenen Freiheitskampf im Kreis Dardjeeling natürlich nicht so ohne weiteres hin. Bald schon schickten sie Polizeitruppen in Richtung Naxalbari, um die Bauern zu unterdrücken und den Freiheitskampf zu zerschlagen. Am 24. Mai 1967 wurde eine Polizeieinheit von den Guerillas in den Hinterhalt gelockt, wobei vier Angreifer verwundet wurden.

Einen Tag später griffen die Reaktionäre Naxalbari direkt an; sie verloren einen Toten und drei Verwundete. Am 26. Mai griffen rund 500 Bauernguerillas einen Gutshof an, wo die Konterrevolutionäre Waffen versteckt hatten. Insgesamt betrugen die Verluste der Polizeitruppen vom 15. bis 30. Mai 1967 einen gefallenen Offizier und zehn Polizisten sowie eine Anzahl Verwundete. Außerdem wurden in Naxalbari, Kharibari und Phansidewa die Polizeistationen zerstört.

Die Bauernguerillas gingen bei ihren Kämpfen gemäß der „Sechzehn-Zeichen-Taktik“ des Genossen Mao Tse-tung vor, die unser großer Lehrer während der Kämpfe im Djinggang-Gebirge (1928) aufgestellt hatte:

Der Feind greift an – wir weichen ihm
Der Feind bleibt stehen – wir zermürben ihn,
Der Feind erlahmt – wir schlagen ihn,
Der Feind entflieht – wir folgen ihm.

Nachdem die Bauern durch ihre richtige Taktik alle Unterdrückungsmanöver der Reaktionäre hatten fehlschlagen lassen, kam am 27. Mai der Ministerpräsident von West-Bengalen, Mukherjee, nach Siliguri, um neue Maßnahmen zur Unterdrückung des Befreiungskampfes zu planen. Mukherjee gehört zur Bengalischen Kongreßpartei, die sich von der indischen Kongreßpartei getrennt hat. Nach Mukherjees Besuch wurden daraufhin Mitte Juni von Kalkutta aus zwei Polizeikompanien nach Siliguri geschickt. Gleichzeitig wurden am 12. Juni sechs Minister des Staates West-Bengalen nach Naxalbari entsandt. Sie versuchten, die Aufständischen mit „Zuckergeschossen“ zu bezwingen, hatten aber auch dabei keinen Erfolg. So stellten sie ein Ultimatum auf und drohten, daß sie nach dem 20. Juni mit Waffen einschreiten würden. Aber dennoch erschien keiner der Bauernführer am Konferenztisch.

Unterdessen hatten Polizeieinheiten die Grenzen zu den benachbarten Staaten Nepal und Pakistan abgeriegelt (Naxalbari liegt 4 Meilen von der nepalesischen und 14 Meilen von der pakistanischen Grenze entfernt). Am 6. Juli griffen sie erneut das befreite Gebiet an; nun mit immer stärkeren Polizeieinheiten. Die Bauernguerillas schlugen jedoch zurück und überfielen am 13. Juli das Polizei- und Militärlager bei Kharibari. Am 19. Juli nahmen die Aufständischen am Wald von Tukuria die reaktionäre Polizei unter Beschuß und zogen sich sofort wieder zurück.

Inzwischen hatte der bewaffnete Kampf der Bauern von Dardjeeling Nachahmung in anderen Teilen des Landes gefunden. In der Hauptstadt des Staates West-Bengalen, Kalkutta, demonstrierten beispielsweise  am 27. Juni die revolutionären Massen zur Unterstützung von Naxalbari. Die Demonstration wurde angeführt von den Revolutionären innerhalb der Kommunistischen Partei Indiens. In den Straßen der Metropole hallten die Sprechchöre der Demonstranten wider: „Rote Grüße dem Dorf Naxalbari“, „Nieder mit den Revisionisten!“, „Die Lehre Mao Tse-tungs weist uns den Weg“.

Westliche Nachrichtenagenturen und Korrespondenten der bürgerlichen Presse berichteten währenddessen, daß die bewaffneten Aktionen der Bauern in West-Bengalen „immer schwunghafter“  würden und „in immer mehr Gebieten zeichnet sich eine Entwicklung ab“, die zu „Bezirken des Typs von Naxalbarai führt“. Auch der „Spiegel“ mußte zugeben: „Indische Maoisten mobilisieren Hunderttausende zum aktiven oder passiven Widerstand gegen die Regierungen von Staat und Union“. (11.12.67)

Zwangsläufig mußten sich selbst die reaktionären indischen Regierungskreise mit dem Volksaufstand in Naxalbari befassen. Der Vorsitzende der Kongreßpartei, Kamaraj, reiste eigens aus Madras an, um am 8. Juni in Neu-Delhi mit Ministerpräsident Indira Gandhi die Lage in West-Bengalen zu erörtern. Am 13. Juni gab der Innenminister des Regimes, Chavan, dem Parlament seinen Bericht zum Thema Naxalbari und forderte den Sturz des Ministerpräsidenten von West-Bengalen, Mukherjee, worauf es zu hitzigen Debatten innerhalb der Kongreßpartei kam. Schließlich wurde Mukherjee im Herbst 1967 doch abgesetzt; ihm folgte am 21. November 1967 Prafulla Tschandra Ghosch.

Der entschlossene Kampf der Bauern von Naxalbari war verständlicherweise auch für den Revisionismus, oder gerade für ihn, ein Schlag ins Gesicht. Das indische Volk erkennt immer mehr, wer die Unterdrücker sind und wo die Freunde stehen. Konnten die Verräter in der KPI noch den Telengana-Aufstand verraten, heutzutage würden sie dafür die gebührende Rechnung erhalten. Das indische Volk wappnet sich mehr und mehr mit dem Marxismus-Leninismus, den Ideen Mao Tse-tungs, und erringt immer neue große Siege.

„DieRote Brigade von Naxalbari“. Eine Staturgruppe aus der Zeit der des Bauernaufstandes. Von links nach rechts: Lenin, Stalin, Mao, Lin Biao, Charu Majumdar, Saroj Dutta und Sahadeb Mukherjee. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

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