Yankees go home!

ROTER MORGEN, 4. Jg., Januar/Februar 1970

Die lateinamerikanischen Völker haben im Laufe des letzten Jahrzehnts eine Offensive von wachsender Stärke gegen den US-Imperialismus und seine Lakaien begonnen. Ihr Kampf ist mit dem der Völker Asiens, Afrikas und anderer Teile der Welt zu einem machtvollenStrom verschmolzen, der dem US-Imperialismus schwere und kraftvolle Schläge zugefügt hat.

Vor mehr als 20 Jahren erklärte unser großer Lehrer Vorsitzender Mao: „Die Völker Lateinamerikas sind keine Sklaven, die dem US-Imperialismus ergeben sind.“ Tatsachen haben diese weise These des Vorsitzenden Mao bewiesen. Die 1960er Jahre waren Zeuge eines beispiellosen Erwachens der lateinamerikanischen Bevölkerung, die zu der immer klareren Erkenntnis gekommen ist, daß sie die völlige nationale Befreiung nur erreichen kann, indem sie die verbrecherische Herrschaft des US-Imperialismus und seiner Lakaien stürzt. Der Sturm des antiamerikanischen Kampfes der lateinamerikanischen Bevölkerung war während der letzten zehn Jahre an Leidenschaft, Umfang und Dauer ohne Beispiel. Die konterrevolutionäre Herrschaft des US-Imperialismus in Lateinamerika, die der US-Imperialismus für „stabil“ hielt, ist von den Wogen dieses revolutionären Kampfes angeschlagen worden und im Zerfall begriffen. Überall auf diesem sogenannten friedvollen „Hinterhof“ des US-Imperialismus züngeln die Flammen der Revolution hoch. Alarmiert rief die Presse der US-Monopolkapitalistenklasse aus, „der ganze Subkontinent“ sei „in einem Zustand des Aufruhrs“ und Nixon sitze „in Lateinamerika auf einer Zeitzünderbombe.“

Das Wagnis, einen Vergeltungskampf geegen den US-Imperialismus und seine Lakaien zu führen – das ist ein bedeutendes Kennzeichen des revolutionären Kampfes der lateinamerikanischen Bevölkerung.1965 brach in der Dominikanischen Republik im Karibischen Meer ein gewaltiger und heroischer Kampf gegen den US-Imperialismus aus. Im April desselben Jahres stürzte das dominikanische Volk das proamerikanische Diktaturregime Reid Cabrals. Der US-Imperialismus wurde in größten Schrecken versetzt und konnte nicht so lange warten, bis er sich den Deckmantel der „Organisation amerikanischer Staaten“ umgeworfen hatte: Er begann indessen, in schamloser Weise nackte Intervention und Aggression gegen das etwas über 3 Millionen zählende dominikanische Volk zu verüben. Er setzte dazu 35 000 Soldaten und etwa 380 Flugzeuge und 40 Kriegsschiffen ein.

28. April 1965: US-Truppen besetzen die Dominikanische Republik. 28. April 1965: US-Truppen besetzen die Dominikanischen Republik. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

Die heroische dominikanische Bevölkerung blieb angesichts der bis an die Zähne bewaffneten US-Aggressoren furchtlos und trug über vier Monate lang offene Schlachten gegen den Feind aus. Von den über 400 000 Einwohnern der Hauptstadt Santo Domingo griffen mehr als 40 000 Menschen, darunter Arbeiter, Studenten, Angestellte und patriotische Soldaten, zu den Waffen, um den US-Aggressoren Widerstand zu leisten. Durch die blutige Unterdrückung des dominikanischen Volkes deckten die US-Imperialisten vollends ihren grausamen und zugleich schwachen Charakter auf; sie „hoben einen Stein hoch, nur um ihn auf ihre eigenen Füße niederfallen zu lassen.“ Die breiten Volksmassen und politische Persönlichkeiten aus über 60 Ländern der ganzen Welt – auch aus lateinamerikanischen Ländern – protestierten entrüstet gegen die US-imperialistische Aggression und verurteilten sie, wodurch sie den US-Imperialismus politisch in eine äußerst isolierte Stellung brachten. Sogar ein bourgeoises US-Blatt mußte zugeben, daß die bewaffnete Intervention die Vereinigten Staaten erschreckend viel gekostet habe.

Der große und patriotische Kampf, den das panamaische Volk im Januar 1964 gegen die US-Aggression und in Verteidigung seiner nationalen Souveränität führte, erschütterte den gesamten lateinamerikanischen Kontinent wie der Donnerschlag eines Frühlingsgewitters.

Tausende über Tausende patriotischer Panamaer gingen auf die Straße und hielten Massendemonstrationen ab, mit denen sie aufs schärfste gegen die US-imperialistische Okkupation der Kanalzone von Panama protestierten. Trotz der blutigen Massaker, die die US-Aggressoren veranstalteten, führten sie einen heldenhaften Kampf gegen den Feind. Die wütenden Demonstranten stürmten die US-Botschaft und brannten das Büro des US-Informationsdienstes nieder. Um mit aller Entschiedenheit die Rückgabe der Souveränität über die Kanalzone zu fordern, wurden Streiks durchgeführt, die das ganze Land erfaßten.

1961 führte das heroische kubanische Volk einen Frontalschlag gegen die eben erst eingesetzte Kennedy-Regierung. Innerhalb von 72 Stunden brachten die Kubaner den eindringenden US-Söldnern eine Niederlage bei und zerschlugen das schändliche Vorhaben des US-Imperialismus, in Kuba die bewaffnete Intervention zu wiederholen, die er in den 1950er Jahren in Guatemala durchgeführt hatte.

Angesichts der hoch aufwogenden antiamerikanischen Bewegung in Lateinamerika verstärkte der US-Imperialismus seine Bemühungen, die proamerikanischen diktatorischen Militärregime zu stützen. Er verfolgte dabei die eitle Absicht, seine Stellung auf diesem Kontinent zu stabilisieren. Doch im Gegensatz zu seinem Wunschdenken rollten die Wogen des Kampfes gegen den US-Imperialismus und die proamerikanischen Diktaturen weiter voran – von Argentinien in Südamerika bis nach Honduras in Mittelamerika. Jede dieser Wogen stieg höher hinauf als die vorangegangene. Im März 1966 begann die Bevölkerung Ecuadors einen nationalen Kampf gegen den US-Imperialismus und die proamerikanische Diktatur; in wenig mehr als zwei Monaten stürzte sie das diktatorische Jijon-Regime. Im April 1968 führten die brasilianischen Studenten, die auf eine kämpferische Tradition zurückblicken, einen großangelegten Kampf, der auf die 22 Staaten des Landes übergriff und die größte revolutionäre Massenbewegung darstellte, die es nach der Machtübernahme der reaktionären Militärdikatur im Jahre 1964 gegeben hatte. 1969 focht die argentinische Bevölkerung einen gegen die USA und gegen die Diktatur gerichteten Kampf aus, für den sich in mehreren vergangenen Jahrzehnten kein Beispiel findet. Dieser Kampf machte die politische Lage in Argentinien noch unsicherer und brachte das proamerikanische diktatorische Regime ins Wanken.

Die Bevölkerung Lateinamerikas ist durch ihre revolutionären Kämpfe zu der immer klareren Erkenntnis gelangt, daß der US-Imperialismus ihr grausamster und verschlagenster Feind ist. Trotz ihrer Maske sind alle aggressiven Einrichtungen der USA, wie Botschaften, Militärmissionen, Unternehmen in US-Besitz und das Spionage treibende „Friedenscorps“ zu Angriffszielen der aufgebrachten lateinamerikanischen Bevölkerung geworden. Der ganze Kontinent hallte von zornigen Rufen wie „Nieder mit dem abscheulichen US-Imperialismus“ und „Yankees go home!“ wider. Die US-imperialistischen Anführer Kennedy, Nixon und Johnson, die Lateinamerika in den 1960er Jahren besuchten, wurden von der lateinamerikanischen Bevölkerung als „die Ursache des Unglücks in Lateinamerika“ angesehen. Wohin sie auch kamen – überall stießen sie auf Opposition und Proteste. Sie glichen Ratten, die über die Straße laufen, während alle Leute schreien: Tötet sie, tötet sie! Während des „Besuches“ von Rockefeller, Nixons „Sonderbeauftragten“, in Lateinamerika von Ende Mai bis Anfang Juli letzten Jahres brachte die lateinamerikanische Bevölkerung eine machtvolle antiamerikanische Woge gegen diesen Pestgott ins Rollen. Der Großkapitalist Rockefeller wurde in derartige Panikstimmung versetzt, daß er alarmiert ausrief, der hoch aufwogende revolutionäre Kampf der lateinamerikanischen Bevölkerung bilde eine „ernste Bedrohung“ für den US-Imperialismus.

In den 1960er Jahren haben sich immer mehr Völker Lateinamerikas von den Fesseln des Reformismus befreit und militante Kämpfe begonnen, in denen sie zum Mittel der Gewalt griffen. Dadurch wird die tiefgreifende Entwicklung des revolutionären Kampfes der lateinamerikanischen Völker gekennzeichnet. Inmitten der machtvollen Streikwogen bolivianischer Arbeiter im Jahre 1965 besetzten 30 000 Bergleute 17 der großen Zinnminen des Landes. Die Arbeiter einiger Bergwerke griffen zu den Waffen und führten offene Schlachten gegen die reaktionären Truppen und Polizei, die zur Niederschlagung ihrer Aktion entsandt worden waren. Im letzten Mai griffen in Cordoba, einer bedeutenden Industriestadt in Argentinien, die revolutionären Massen, bei denen die Industriearbeiter die Hauptkraft darstellten, in US-Besitz befindliche Unternehmen an. Sie besetzten Einrichtungen der Regierung und fochten gegen die vollbewaffneten reaktionären Soldaten und Polizisten wilde Straßenschlachten aus. Einige Demonstranten rissen mutig reaktionären Soldaten und Polizisten die Waffen aus der Hand und feuerten auf sie zurück. Auch die breiten Bauernmassen des Kontinents erhoben sich, um das Land und die Güter zurückzuerobern, die von den Großgrundbesitzern zwangsokkupiert worden waren. In den ersten 10 Monaten des letzten Jahres besetzten ecuadorianische Bauern mehr als einhundert große Landgüter. In der Gegend von Santiago, der Hauptstadt Chiles, übernahmen über 1300 Bauern mehr als 32 Landgüter. Mit Sicheln, Spaten und Jagdgewehren bewaffnet, trieben die Bauern die Grundbesitzer von ihren Gütern.

1968 brach im „ruhigen“ Mexiko ein Studentenkampf gegen Verfolgung und Gemetzel aus, dessen Umfang in diesem Land in mehreren vergangenen Jahrzehnten beispiellos ist. Im Verlauf des Kampfes besetzten die Studenten Schulgebäude, errichteten Barrikaden auf den Straßen und kämpften heldenhafte und wilde Schlachten gegen zahlreiche Soldaten und „Bereitschaftstrupps“, die mit Panzerfäusten bewaffnet waren und durch Panzerkampfwagen und Hubschrauber unterstützt wurden. Die Studenten selbst waren nur mit Steinen, Schlaghölzern und Benzinflaschen bewaffnet. Dieser Kampf dauerte 4 Monate an und erschütterte den ganzen lateinamerikanischen Kontinent.

Bemerkenswert ist, daß die Arbeiter, Bauern, Studenten und Angehörige anderer Schichten einander unterstützten und alle sich in einem mächtigen revolutionären Strom, dem Kampf gegen den US-Imperialismus und seine Kettenhunde, vereinten.

Das neue Erwachen der lateinamerikanischen Völker in den 1960er Jahren ist in auffallender Weise von folgender Tatsache gekennzeichnet: Durch die große Polemik zwischen Marxismus-Leninismus- Maotsetungideen und modernem Revisionismus und durch ihre eigene revolutionäre Praxis haben diese Völker die Züge der modernen Revisionisten noch klarer als die Züge von Renegaten erkannt und haben begriffen, daß zur Bekämpfung des Imperialismus unbedingt eine Bekämpfung des Revisionismus nötig ist. Sie haben erklärt: „Die Revisionisten sind die Verbündeten des Imperialismus, und ohne den Kampf gegen den Revisionismus kann die Revolution nicht voranschreiten.“

Die lateinamerikanischen Revolutionäre haben in der revolutionären Massenbewegung die Hindernisse aus dem Weg geräumt, die die Revisionisten errichtet hatten; sie haben deren verbrecherische, gegen die Volksbewegung gerichtete Intrigen zerschlagen und haben dadurch den revolutionären Kampf ständig vorangetrieben. In ihrem leidenschaftlichen Kampf gegen den Revisionismus haben sie mehr als zehn marxistisch-leninistische Parteien und Organisationen gegründet, die im Laufe der Verbindung des Marxismus-Leninismus mit der konkreten Praxis der Revolution in ihren eigenen Ländern stetig angewachsen sind. Gleichzeitig sind sie nach und nach zu der Erkenntnis gekommen, daß sie nur dann die reaktionäre Herrschaft des US-Imperialismus und seiner Lakaien völlig vernichten können, wenn sie der konterrevolutionären bewaffneten Macht revolutionäre bewaffnete Macht entgegensetzen. Sie haben sich angestrengt darum bemüht, die großartige Wahrheit des Wortes zu erfassen: „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.“ Den „friedlichen Übergang“, den „parlamentarischen Weg“ und verschiedene Irrlehren, die die modernen Revisionisten in dem Versuch verbreiten, den bewaffneten Kampf der lateinamerikanischen Revolutionäre zu untergraben, haben diese entschieden zurückgewiesen.

Der große Führer Vorsitzender Mao gab 1964 die „Erklärung zur Unterstützung des panamaischen Volkes in seinem gerechten patriotischen Kampf gegen den US-Imperialismus“ und 1965 die „Erklärung zur Unterstützung des dominikanischen Volkes in seinem Widerstand gegen die bewaffnete US-Aggression“ heraus. In der Erklärun von 1964 sagte Vorsitzender Mao: „Dadurch, daß der USA-Imperialismus überall Willkür- und Gewalttaten begeht, macht er sich selbt zum Feind der Völker der Welt, bringt er sich selbst in immer größere Isolierung. Die Atom- und Wasserstoffbomben in den Händen der amerikanischen Imperialisten können niemanden einschüchtern, der nicht zum Sklaven werden will. Die Sturmflut der Völker der ganzen Welt gegen die amerikanischen Aggresoren läßt sich nicht eindämmen. Die Völker der ganzen Welt werden in ihrem Kampf gegen den USA-Imperialismus und seine Lakaien sicherlich noch größere Siege erringen.“

Diese Erklärungen Vorsitzenden Maos haben die lateinamerikanischen Völker in ihrem revolutionären Kampf in den 1960er Jahren außerordentlich ermutigt. Mit Sicherheit kann gesagt werden, daß die heroische lateinamerikanische Bevölkerung in den 1970er Jahren einen noch wilderen Sturm der Revolution entfachen wird.

Hsinhua Nachrichten aus der Volksrepublik

 

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