Die Führer der DDR betreiben Geschichtsfälschung

Mao Tse-Tung, Ausgewählte Werke. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

Bertold Brecht nannte auf die Frage, welches Buch auf ihn 1954 den stärksten Eindruck gemacht hätte: „Über den Widerspruch“ von Mao Tsetung (vgl. Brecht, Gesamtausgabe Band 20 S. 343). Solange die DDR noch ein sozialistisches Land war, erschienen dort eine ganze Anzahl Schriften von Mao Tsetung, darunter auch die vierbändigen Ausgewählten Werke. Heute dagegen wäre Bertold Brecht – lebte er noch – gezwungen, sich seine Lieblingslektüre auf „illegale“ Weise zu beschaffen. Die Führer der SED haben, um das Volk der DDR besser in Gewalt zu bekommen, jegliche Veröffentlichung der modernen marxistisch-leninistischen Literatur eingestellt. Aber nicht nur das, das Volk der DDR wurde –  wie zu Hitlers Zeiten – aufgefordert, solche Literatur – z. B. auch die Werke Stalins – aus seinen Bibliotheken zu entfernen. Jegliche Einfuhr solcher Literatur ist verboten und wird verfolgt.

Ganz anders ist es in der Volksrepublik China. Dort hat die Bevölkerung nicht nur die selbstverständliche Möglichkeit, die gesamte marxistisch-leninistische Literatur zu studieren, sondern kann sich auch aus erster Hand über die „Werke“ der modernen Revisionisten unterrichten. So werden etwa in Peking die „Gesammelten Werke“ von Chruschtschow herausgegeben. Immer wieder veröffentlicht man ungekürzte Erklärungen der modernen Revisionisten, damit sich jeder selbst eine Meinung bilden kann. Da in China zwischen Volk und Regierung keine antagonistischen Widersprüche – wie etwa in der DDR – bestehen, kann man dem Volk ruhig reinen Wein einschenken.

Die Unterdrückung der neueren marxistisch-leninistischen Literatur genügte den Führern der DDR aber nicht, deshalb gehen sie schon seit längerer Zeit zur offenen Geschichtsfälschung über. Eine der altbekannten reaktionären Methoden ist das Gegenüberstellen eines („guten“) toten Revolutionärs gegenüber einen („bösen“) lebenden. 1917 etwa konstruierte die Reaktion einen Gegensatz zwischen Marx und Lenin; später dann zwischen Lenin und Stalin.

Die DDR-Führer sind nun eifrige Schüler der Reaktion. Sie konstruieren einen  „Widerspruch“ zwischen Mao Tsetung und dem 1927 von der Reaktion ermordeten Li Da-dschao. Zu diesem Zweck gaben sie vor kurzem eine Sammlung von Zeitungsartikeln von Li Da-dschao heraus, um im Vorwort ihre geschichtsfälschenden Verdrehungen unterbringen zu können. Der Versuch , Mao und Li gegeneinander auszuspielen, ist jedoch so stümperhaft, daß er außer in DDR-Kindergärten kaum auf Glauben stoßen wird.

Li Da-dschao war einer der 12 Gründungsdelegierten der KP Chinas. Vorsorglich verschweigt die DDR-Broschüre, daß auch Mao Tsetung darunter war und schreibt statt dessen, es sei eine „grobe Verfälschung der historischen Wahrheit“, Mao Tsetung als Gründer der KP  Chinas zu betrachten. Wie lächerlich die Behauptung der DDR-Führer ist, zeigt ein Blick in die Presse der Komintern aus dieser Zeit. So bezeichnet schon die „Internationale Presse-Korrespondenz“ – eine Zeitschrift der Komintern – (1930 Nr. 26 S. 634) Mao Tsetung als „Mitbegründer der Kommunistischen Partei Chinas und Begründer der Partisanentruppen und der Roten Armee“. Wer fälschte also Geschichte – die Komintern 1930 oder die DDR-Führer heute?

Die Artikel von Li Da-dschao sollen vor allem zeigen, daß Li Da-dschao ein Freund der Sowjet-Union war. Hier will man offenbar einen Gegensatz zu Mao Tsetung konstruieren. Dies ist natürlich nur auf dem Hintergrund der brutalen Unterdrückung der Werke Mao Tsetungs in der DDR möglich, da sich niemand dort darüber informieren kann, daß Mao Tsetung – solange die Sowjtunion ein Arbeiter- und Bauernstaat war – stets ein glühender Freund der Sowjet-Union war und auch heute ein aufrichtiger Freund des sowjetischen Volkes ist:

„Die Sowjetunion war der erste sozialistische Staat; die KPdSU wurde von Lenin gegründet. Obwohl nun die Führung in Partei und Staat der Sowjetunion von den Revisionisten usurpiert wurde, möchte ich allen Genossen raten, an der Überzeugung festzuhalten, daß die breiten sowjetischen Volksmassen, die breiten Massen der sowjetischen Parteimitglieder und Funktionäre gut sind, daß sie für die Revolution sind und daß die revisionistische Herrschaft nicht lange dauern wird.“

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