Über die Berichtigung falscher Ansichten in der Partei

Mao Tse-tung an seinem Schreibtisch. Bild Archiv Roter Morgen. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN

ROTER MORGEN, 4. Jg., Mai 1970

Im Dezember 1929 legte Vorsitzender Mao Tse-tung der Delegiertenkonferenz der Parteiorganisation des 4. Korps der Roten Armee einen Beschlußentwurf vor  „Über die Berichtigung falscher Ansichten in der Partei“ (Mao Tsetung, Ausgewählte Werke, Band I, S. 119-132). Das ist ein sehr wichtiges Dokument, das auch von uns immer wieder gelesen werden und auf unsere Situation angewandt werden muß.

Unsere Partei hat sich seit ihrer Gründung organisatorisch und ideologisch gestärkt und schreitet, geführt von ihrem ZK, mutig auf dem Weg des Marxismus-Leninismus voran. Natürlich betrachten das alle möglichen kleinbürgerlichen und opportunistischen Elemente mit Neid und Abscheu. Sie sehen, daß ihnen das Wasser abgegraben wird und daß sie nicht mehr so wie früher mit lautem Geschrei für ihre links- und rechtsopportunistischen Ladenhüter Reklame machen können. Natürlich spiegeln sich solche Widersprüche auch innerhalb unserer Partei wieder.

Vorsitzender Mao Tsetung schreibt: „Die verschiedenen falschen Ansichten in der Parteiorganisation des 4. Korps rühren von der Tatsache her, daß die organisatorische Basis der Partei größtenteils aus Bauern und Leuten anderer kleinbürgerlicher Herkunft besteht; aber das Fehlen eines einmütigen und entschlossenen Kampfes der Parteileitungen gegen diese falschen Ansichten und der Erziehung der Parteimitglieder im Sinne der richtigen Parteilinie ist ebenfalls eine wichtige Ursache für das Bestehen und die Entwicklung solcher  falschen Ansichten.“ Das trifft für unsere Partei nicht in vollem Umfang zu. Wir dürfen aber nicht glauben, daß wir nicht auch bei uns den Kampf führen müssen gegen kleinbürgerliche und opportunistische Elemente. Wenn wir die Notwendigkeit dieses Kampfes nicht sehen würden, wären wir Träumer, und es gäbe ein böses Erwachen.

Vorsitzender Mao Tsetung bekämpft in seiner Schrift verschiedene falsche Ansichten, die sich alle aus der kleinbürgerlichen Ideologie herleiten. Da ist zunächst die rein militärische Einstellung: „ Sie meinen, die Aufgabe der Roten Armee sei der der weißen  Armee ähnlich und bestünde lediglich im bloßen Kriegführen; sie begreifen nicht, daß die chinesische Rote Armee eine bewaffnete Organisation ist, die politische Aufgaben der Revolution ausführt.“

Jetzt gibt es bei uns keinen Krieg. Aber eine ähnliche falsche Ansicht gibt es doch: Manche übersehen, daß unser Kampf grundsätzlich anders ist als der anderer (z. B. revisionistischer) Organisationen und „Parteien“ und sie setzen sich deshalb mit „Werbeaktionen“ und anderen Dingen auf dieselbe Ebene wie diese bürgerlichen Organisationen. Sie meinen, die politische Praxis mißt sich an der Zahl der gedruckten Rundschreiben, Flugblätter usw. und sie übersehen dabei ganz, daß sie gar nicht die richtige Linie befolgen. Solche Leute sind wie verirrte Ameisen, die dauernd hin und her rennen, aber nicht wissen, wohin sie rennen sollen. Nur daß die Ameisen nicht auch noch schreien: „ Das was wir tun, ist die richtige Praxis!“ Für solche Leute gilt, was Mao Tse Tung als eine der Formen des rein militärischen Gesichtspunkt so darstellt: „Einige Genossen berücksichtigen nicht die subjektiven und objektiven Bedingungen, sind voller revolutionärer Fiebrigkeit; sie wollen keine mühselige, umsichtige Kleinarbeit unter den Massen leisten, schwelgen in Illusionen und wollen nur große Taten vollbringen. Das sind Überreste des Putschismus.“

Eine zweite Form der kleinbürgerlichen, falschen Ansichten ist die extreme Demokratisierung (der Ultrademokratismus). Mao Tsetung schreibt: „Nach Eingang der Anweisungen des Zentralkomitees sind Erscheinungen der extremen Demokratisierung im 4. Korps der Roten Armee bedeutend seltener geworden. Zum Beispiel können die Beschlüsse der Partei leichter durchgeführt werden; niemand erhebt mehr die falschen Forderungen: in der Roten Armee wäre ein sogenannter ‚ Demokratischer Zentralismus von unten nach oben ‚ durchzuführen oder man müßte ‚ zunächst unten diskutieren und dann oben Beschlüsse fassen ‚ usw. Tatsächlich ist der Rückgang dieser Erscheinungen nur vorübergehend und oberflächlich und bedeutet keineswegs die Ausmerzung solcher Ansichten. Das heißt, daß die extreme Demokratisierung noch tief in den Köpfen vieler Genossen verwurzelt ist. Ein Beweis dafür ist, daß sich z. B. auf verschiedene Weise ein Widerstreben bei der Durchführung von Beschlüssen der Partei zeigt.“

Mao Tsetung lehrt, daß die Quelle dieses Ultrademokratismus in der Undiszipliniertheit des Kleinbürgertums zu suchen ist. Das Geschrei von der „Demokratie“, die angeblich beim Demokratischen Zentralismus zu kurz kommt, ist ein alter Ladenhüter, mit dem Kleinbürger  und Opportunisten gegen die Marxisten zu Felde ziehen. Schon Bakunin schwätzte davon, als er gegen Marx und Engels intrigierte. Marx und Engels haben den Kampf gegen den kleinbürgerliche Ultrademokratismus mit aller Schärfe geführt. Lenin, Stalin und Mao Tsetung haben das Gleiche getan. Wen kann es da verwundern, daß auch der Renegat Liu-Schao-tschi darüber gejammert hat, daß es für ihn und seine Clique „zuwenig Demokratie“ gibt? Wen wundert es außerdem, daß die Sowjetrevisionisten bei ihren geifernden Angriffen auf das neue Statut der Kommunistischen Partei Chinas wieder auf derselben Masche reiten? Nehmen wir mit aller Schärfe den Kampf gegen den Ultrademokratismus auf und befolgen wir die von Mao Tsetung genannten Methoden der Berichtigung solcher falscher Anschauungen!

Eng verbunden mit dem Ultrademokratismus sind drei andere Formen falscher, kleinbürgerlicher Anschauungen: die Mißachtung der Organisationsdisziplin, die absolute Gleichmacherei und der Subjektivismus. Die kleinbürgerlichen und opportunistischen Elemente haben nicht gelernt, diszipliniert und kollektiv zu arbeiten. Sie untersuchen nicht die Wirklichkeit, sondern bauen sich ihre eigene Traumwelt:  das ist Subjektivismus. Solche Leute sind nicht in der Lage, die gegenwärtige Situation tiefgehend zu analysieren und die Lehren des Marxismus-Leninismus schöpferisch auf unsere Situation anzuwenden. Stattdessen schieben sie dauernd irgendwelche Brocken der marxistischen Ideologie von einem Mundwinkel in den anderen. Ihr Studium besteht darin, nach Zitaten zu suchen, sie aus dem Zusammenhang zu reissen und damit ihre subjektivistischen Fehleinschätzungen zu „belegen“ – so wie Kinder im Sandkasten ihre Sandburgen mit allerlei Zierat garnieren. Die Subjektivisten haben ganz große Angst vor jeder wirklich marxistisch-leninistischen theoretischen Arbeit, jeder gründlichen Analyse der Realität. Stattdessen schauen sie mal hierhin, mal dorthin, machen sich ihre eigene kleine „Theorie“, nennen das Detailanalyse und meinen, mehr braucht man ja gar nicht. Obwohl die Subjektivisten meistens viel von Praxis schwätzen, liquidieren sie in der Tat die Praxis, weil sie die umfassende theoretische Arbeit ablehnen. In den Worten Marxismus, in den Taten aber Reformismus und Handwerkelei: daran erkennt man die kleinbürgerlichen Elemente, die sich „Marxisten-Leninisten“ nennen.

Die Subjektivisten wollen ihren „Sumpf der Phantastereien und des blinden Handelns“, wie Mao Tsetung sagt, nicht verlassen. Nein, sie fühlen sich sogar wohl darin. Deshalb gehören Subjektivismus und Mißachtung der Organisationsdisziplin zusammen. Sie kommen ja auch aus der gleichen Wurzel: dem kleinbürgerlichen Individualismus. Ein Individualist und Subjektivist beugt sich nicht dem Willen der Mehrheit oder der höheren Gremien. Wie sollte er auch, wo er doch meint, daß er die Weisheit löffelweise gefressen hat. Wenn er sich mit seiner Meinung nicht durchsetzt – und das ist natürlich meistens so – dann fängt er an, über die mangelnde Demokratie zu lamentieren, Beschlüsse nicht auszuführen und in völlig unmarxistischer Weise herumzukritisieren. Hier müssen wir besonders bedenken, daß Mao Tsetung schreibt: „Subjektivistische Kritik, unbegründeter Klatsch und gegenseitiger Argwohn in der Partei führen oft zu prinzipienlosen Zwistigkeiten und zum Zerfall der Parteiorganisation.“ Manche Subjektivisten und Opportunisten schrecken nicht davor zurück, ihre desorganisierende Kritik und ihren unbegründeten Klatsch mit dem Mäntelchen einer  „kulturrevolutionären Tat“ zu verhüllen. Man könnte sagen, das soll uns gar nicht aufregen. Ein Kleinbürger mag das, was er subjektivistisch für die Kulturrevolution hält, in den falschen Hals kriegen und meinen, damit sei jetzt der Demokratische Zentralismus und jede Organisationsdisziplin aufgehoben. Die Marxisten-Leninisten lassen  sich durch solches schein-kulturrevolutionäre Geschwätz (das ja auch die Anarchisten und andere bürgerliche Elemente verbreiten) nicht beirren. Wir müssen aber beachten, daß ein solches schein-kulturrevolutionäres Geschwätz eine ungeheure Beleidigung der Großen Proletarischen Kulturrevolution und des Vorsitzenden Mao Tsetung darstellt, der diese Kulturrevolution persönlich geleitet hat. Wir dürfen so etwas nicht durchgehen lassen.

Als Form der Mißachtung der Organisationsdisziplin nennt Vorsitzender Mao Tsetung außer der Mißachtung der Parteibeschlüsse und der desorganisierenden innerparteilichen Kritik noch eine weitere Form der desorganisierenden Kritik: „Viele Parteimitglieder üben Kritik nicht innerhalb, sondern außerhalb der Partei. Das erklärt sich dadurch, daß die Parteimitglieder im allgemeinen noch nicht die Bedeutung der Parteiorganisation (der Versammlungen usw.) begriffen haben und annehmen, die Kritik innerhalb der Organisation unterscheide sich nicht von der außerhalb der Organisation.“ Da gibt es üble Elemente, die so tief im Sumpf der absoluten Gleichmacherei stecken, daß sie einen Unterschied zwischen Parteimitgliedern und anderen leugnen. Kein Wunder, daß sie überall mit desorganisierender Kritik und unbegründetem Klatsch hausieren gehen, daß sie mit Leuten eifrig korrespondieren, die der Partei schaden wollen, ja, daß sie solche sogar als ihre Vorbilder hinstellen. Natürlich erklären sie, daß das ihre „Privatsache“ sei und die Partei im Grunde gar nichts anginge.

Vorsitzender Mao Tsetung weist in seiner Schrift  „Über die Berichtigung falscher Ansichten in der Partei“  eindringlich darauf hin, daß die dargestellten falschen Ansichten für die Partei sehr gefährlich werden können und deshalb unbedingt berichtigt werden müssen. Eine marxistisch-leninistische Partei muß entschieden den Kampf aufnehmen, um alle Überreste kleinbürgerlicher und opportunistischer Anschauungen zu liquidieren und die Reihen der Partei zu säubern, so wie uns Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tsetung das gelehrt haben. Dieser Kampf ist gut und nützlich. Auch in ihm wird die marxistisch-leninistische  Partei als  Avantgarde des Proletariats gestärkt und gestählt. Nehmen wir, geschart um das Zentralkomitee der KPD/ML, diesen Kampf auf!

Verbinden wir das mit der gegenwärtigen Hauptaufgabe der KPD/ML, nämlich der schöpferischen Anwendung der Lehren des Marxismus-Leninismus auf unsere Situation durch Erarbeitung einer Klassenanalyse! Befolgen wir Mao Tsetung Lehren über die Methoden der Berichtigung falscher Ansichten in der Partei! Die Methoden der Berichtigung des Subjektivismus sind nach Mao Tsetung:

„DIE HAUPSACHE IST, DIE PARTEIMITGLIEDER SO ZU ERZIEHEN, DASS IHR  DENKEN UND DAS INNERPARTEILICHE LEBEN VON EINEM POLITISCHEN UND WISSENSCHAFTLICHEN GEIST DURCHDRUNGEN SIND. UM DIESES ZIEL ZU ERREICHEN, MUSS MAN

  1. DIE PARTEIMITGLIEDER LEHREN, MIT DER MARXISTISCH-LENINISTISCHEN METHODE DIE POLITISCHE LAGE ZU ANALYSIEREN UND DIE KLASSENKRÄFTE EINZUSCHÄTZEN, STATT SICH SUBJEKTIVISTISCHER ANALYSEN UND EINSCHÄTZUNGEN ZU BEDIENEN;
  2. DIE AUFMERKSAMKEIT DER PARTEIMITGLIEDER AUF SOZIALÖKONOMISCHE UNTERSUCHUNGEN UND FORSCHUNGEN LENKEN, DAMIT SIE DAVON AUSGEHEND DIE KAMPFTAKTIK UND DIE ARBEITSMETHODEN FESTLEGEN KÖNNEN; DIE GENOSSEN ZUR ERKENNTNIS BRINGEN, DASS SIE OHNE DAS STUDIUM DER PRAKTISCHEN UMSTÄNDE IN DEN ABGRUND DER PHANTASTEREI UND DES BLINDEN DRAUFGÄNGERTUMS STÜRZEN WERDEN;
  3. SICH BEI DER INNERPARTEILICHEN KRITIK VOR SUBJEKTIVISMUS, WILLKÜR UND VULGARISIERUNG DER KRITIK HÜTEN; JEDE MEINUNGSÄUSSERUNG MUSS AUF TATSACHEN BERUHEN; DIE KRITIK MUSS DEN POLITISCHEN ASPEKT BETONEN.“

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