Reform oder Revolution

ROTER MORGEN, 4. Jg., Oktober 1970

Revolutionärer und bürgerlicher Standpunkt in der Frage

Es gibt nur zwei Arten der Weltanschauung, nur zwei Arten der Politik: Die proletarische und die bürgerliche, Revolution oder Konterrevolution. Letztlich ist der Sieg der Revolution und der Untergang der Konterrevolution ein unaufhaltbares Gesetz der Geschichte. Deshalb wird der Verein, den die modernen Revisionisten unter dem Namen D“K“P gegründet haben, bestimmt kein gutes Ende finden. Denn die D“K“P liegt ganz und gar auf der bürgerlichen Linie.

Der Revisionismus ist bekanntlich eine Form der bürgerlichen Politik in der Arbeiterbewegung unter dem Deckmantel des „Marxismus“. Das Wesen der revisionistischen Politik ist der Verzicht auf die gewaltsame Revolution, den einzigen Weg zur wirklichen Befreiung der Arbeiterklasse von kapitalistischer Ausbeutung und Diktatur. Die Politik der modernen Revisionisten besteht darin, daß sie der Arbeiterklasse im Namen des „Marxismus-Leninismus“ den Verzicht auf die gewaltsame Revolution predigen; unter dem Rauchvorhang „marxistisch-leninistischer“ Phrasen propagieren sie den Weg der friedlichen Reform und der Arbeitsgemeinschaft der Klassen.

„Verbindung der Treue zum Marxismus in Worten mit Unterwerfung unter den Opportunismus in Taten“, so charakterisierte schon Lenin das Wesen des Revisionismus. Lenin lehrte, daß man den Revisionismus – wie jede andere Politik – an seinen Taten beurteilen muß, nicht an seinen Worten.

Wenn man den Revisionismus kritisiert, muß man hauptsächlich von seiner konterrevolutionären Praxis ausgehen und nicht von einer Kritik seiner Theorie. Denn es liegt im Wesen des Opportunismus, daß für ihn die Theorie nicht die Richtschnur der Praxis ist, sondern nur ein Mittel zu ihrer nachträglichen Rechtfertigung. Die praktische Politik der Revisionisten ist nicht durch allgemeine Prinzipien bestimmt, sondern sie ist auf Opportunitätserwägungen des Augenblicks aufgebaut und durch die Anpassung an die jeweiligen Bedürfnisse der Bourgeoisie bestimmt.

„Die Haltung von Fall zu Fall festlegen, sich an Tagesereignisse, an das Auf und Ab im politischen Kleinkram anpassen, die Grundinteressen des Proletariats, die Grundzüge der ganzen kapitalistischen Ordnung und die gesamte kapitalistische Entwicklung vergessen, diese Grundinteressen um wirkliche oder vermeintliche Augenblicksvorteile willen opfern – darin besteht die revisionistische Politik“. (Lenin)

Um die Arbeiter, die sich zum Marxismus-Leninismus hingezogen fühlen, zu betrügen, um die Arbeiterklasse im Namen des „Marxismus-Leninismus“ an der Revolution zu hindern, haben die modernen Revisionisten auch die Theorie des Marxismus-Leninismus in ungeheuerlich kleinbürgerlicher Weise entstellt. Um den Verzicht auf die gewaltsame Revolution, den friedlichen Weg der „demokratischen Reformen“ und die Arbeitsgemeinschaft der Klassen zu rechtfertigen, haben sie eine besondere Ideologie des Reformismus entwickelt. Diese reformistische Ideologie haben die modernen Revisionisten als „schöpferische Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus“ getarnt; sie beschimpfen wie wild die wirklichen Revolutionäre, die entschieden an den Prinzipien des Marxismus-Leninismus festhalten, als „Sektierer“, „Linksdogmatiker“ und „Links-Opportunisten“. Deshalb lohnt es sich, auch die revisionistische Ideologie zu untersuchen und genau zwischen falsch und richtig zu unterscheiden. Den modernen Revisionsten muß auf ihre allseitige Revision der Prinzipien des Marxismus-Leninismus eine allseitige Abfuhr erteilt werden. Unsere chinesischen Genossen, die einen vorbildlichen und entschiedenen Kampf gegen den modernen Revisionismus mit der Breschniew-Kossygin-Clique als Zentrum führen, haben unsere Aufgabe so beschrieben:

   „Die internationale Arbeiterbewegung stellt gegenwärtig alle Marxisten-Leninisten vor die Aufgabe, den modernen Revisionisten auf ihre allseitige Revision des Marxismus-Leninismus eine Antwort zu erteilen. Diese Revision zielt darauf ab, den Marxismus-Leninismus all seiner revolutionären Substanzen zu berauben, und das Prinzip des Klassenkampfes, das elementarste Prinzip des Marxismus-Leninismus über Bord zu werfen. Was behalten werden soll, ist lediglich ein marxistisch-leninistisches Etikett. Diese Art von Revision entspricht den augenblicklichen Bedürfnissen des internationalen Imperialismus, der Reaktionäre aller Länder und der Bourgeoisie in ihrem eigenen Land.“

Die „Grundsatzerklärung“ der „K“PD ist ein durch und durch bürgerliches, eine revisionistisches Programm. In der Frage des gewaltsamen Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus, diesem allgemeinen Gesetz des Klassenkampfes, hat die „K“PD vollständig die Grenze zwischen sich und der Sozialdemokratie verwischt, die nur die friedliche Reform anerkennt. Sie betrügt die Arbeiterklasse, indem sie ihr nicht offen sagt, daß die Arbeiterklasse nur durch die gewaltsame Revolution ihre Lage wirklich und endgültig verbessern kann.

Man sehe nur, wie sich die „Grundsatzerklärung“ um diese Frage herumwindet, sich über die gewaltsame Revolution hinwegmogelt:

„Die DKP erstrebt den für das arbeitende Volk der Bundesrepublik günstigsten Weg zum Sozialismus, einen Weg ohne Bürgerkrieg. Es waren immer die herrschenden reaktionären Klassen, die zur Rettung ihrer Macht und ihrer Vorrechte blutige Gewalt gegen das Volk anwandten. Nur im harten Klassen- und Volkskampf gegen den unvermeidlichen Widerstand der großkapitalistischen Interessengruppen kann die sozialistische und antimonopolistische Volksbewegung die Kraft erlangen, um die Reaktion an der Gewalt zu verhindern. Die DKP will über die breite Entfaltung der demokratischen Aktion der Arbeiter und der Werktätigen zur sozialistischen Umwälzung gelangen.“

Einerseits behaupten die Revisionisten, daß das arbeitende Volk durch die „demokratische“, also friedliche, legale Aktion „die Kraft erlangen“ kann, um die Reaktionäre an der Anwendung von „blutiger Gewalt gegen das Volk“ zu hindern. Andererseits sagen sie im gleichen Atemzug – und das allein ist richtig – , daß dieser gewaltsame „Widerstand“ der Bourgeoisie gegen den Verlust ihrer Klassenprivilegien „unvermeidlich“ ist. Damit versetzen die modernen Revisionisten sich selbst eine Ohrfeige.

Bereits Lenin hat darauf hingewiesen, daß dem Revisionismus eine metaphysische Weltanschauung zugrundeliegt, die die Dialektik durch Eklektik und Sophisterei ersetzt hat: Prinzipienloses Hin- und Herschwanken, prinzipienloses „einerseits“, „andererseits“. Das Gesetz der Dialektik, daß sich die Dinge aus ihrer inneren Widersprüchlichkeit entwickeln, haben die Revisionisten durch ihre metaphysische „Theorie“ von der friedlichen Einwirkung durch die äußeren Kräfte ersetzt. Das Gesetz des Klassenkampfes, daß die Entwicklung des kapitalistischen Klassenwiderspruchs unvermeidlich zur gewaltsamen Revolution tendiert, haben sie durch ihre „Theorie“ vom „Übergewicht der friedlichen Kräfte“ ersetzt, aus der angeblich „die Möglichkeit eines friedlichen Übergangs zum Sozialismus“ folgt. Die Theorie vom Übergewicht des „sozialistischen Lagers“ dient den Sowjetrevisionisten vor allem dazu, die Umwandlung der revisionistischen Parteien in bloße Werkzeuge der aggresiven sowjet-imperialistischen Außenpolitik zu rechtfertigen.

Der marxistisch-leninistischen Grundlehre von der gewaltsamen Revolution haben sie ihre eigene „Lehre“ von der alleinseligmachenden „demokratischen Reform“ entgegengestellt. Auf diese Weise, durch ihre mechanische Theorie von der äußeren Einwirkung der „friedliebenden Kräfte“, die angeblich den bewaffneten kapitalistischen Staatsapparat an der  Anwendung von Gewalt hindern können, haben die Revisionistn alle grundlegenden Prinzipien des Marxismus-Leninismus revidiert. Die leninistischen Prinzipien des friedlichen Wettbewerbs und der friedlichen Koexistenz, die sich nur auf die Beziehungn zwischen Staaten verschiedener Gesellschaftsordnungen beziehen, haben sie auf den Klassenkampf übertragen und zu Prinzipien der Klassenzusammenarbeit entstellt.

Von der notwendigen revolutionärn Gewalt und von der Notwendigkeit, die Massen gerade in dieser Richtung zu erziehen ist in der „Grundsatzerklärung“  der D“K“P keine Rede mehr. Stattdessen hat die D“K“P ihre Politik vollständig am „friedlichen Übergang“, an der „Möglichkeit des parlamentarischen Wegs“ zum Sozialismus orientiert, um dadurch allerlei kleinbürgerliche Illusionen in der Arbeiterklasse zu züchten und zu nähren. Im Gegensatz dazu müssen wirkliche Revolutionäre den Massen offen erklären -, und zwar auf die Gefahr hin, daß die marxistisch-leninistische Partei verboten wird, daß die Bourgeoisie über die bewaffnete Staatsgewalt verfügt, daß die Bourgeoisie diese bewaffnete Gewalt auch zweifellos anwenden wird (und schon angewendet hat), sobald ihre Herrschaft mit „friedlichen demokratischen“ Mitteln nicht mehr aufrecht zu erhalten ist; daß die reaktionäre bewaffnete Macht nur durch die revolutionäre bewaffnete Macht geschlagen werden kann; daß jede Hoffnung auf einen „friedlichen  Übergang“ ein leerer Traum, eine kleinbürgerliche Illusion ist. Die Arbeiterklasse kann sich nicht von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung befreien, ohne die militärische und bürokratische Staatsmaschine der Bourgeoisie durch die gewaltsame Revolution restlos zu zerschmettern.

Diese einfachen Wahrheiten müssen die Marxisten-Leninisten unter den unterdrückten Volksmassen propagieren, darauf muß ihre ganze Agitation und ihre Massenlinie eingestellt sein. Es ist nicht Aufgabe der Revolutionäre, wie uns die D“K“P weismachen will, sich an die rückständigsten Schichten und kleinbürgerlichen Illusionen in der Arbeiterklasse anzuhängen und nur „den Hintern des Proletariats“ zu betrachten.

Um die Massen für den Marxismus-Leninismus, für die Sache der proletarischen Revolution zu gewinnen, muß eine richtig marxistisch-leninistische Massenlinie ausgearbeitet und in der Praxis erprobt werden; keinesfalls aber darf man die grundlegenden Prinzipien des Marxismus-Leninismus aufgeben. Die DKP-Mitglieder, die von der Richtigkeit ihrer Parteilinie noch ehrlich überzeugt sind, fragen wir: Was nützt es der Revolution, wenn ihr durch eine reformistische und sozialdemokratische Politik unter den Massen Einfluß gewinnen wollt? Hat euch die Entwicklung der Sozialdemokratie zu einer offen konterrevolutionären Partei nicht gelehrt, wohin der Sozialdemokratismus führt?

Die Marxisten-Leninisten sind immer der Ansicht, daß der Kampf um die Verbesserung der Lohnsklaverei, die Reform, dem Kampf um die Beseitigung der Lohnsklaverei, der Revolution, unbedingt untergeordnet werden muß. Die Taktik muß Teil der Strategie sein, ihr untergeordnet werden. Keinesfalls darf die Taktik verselbständigt und das Erringen von Augenblickserfolgen an sich zur Strategie selbst erhoben werden. Denn das hieße: die Revolution durch die Reform zu ersetzen.

Wenn man eine richtige Massenlinie und Taktik durchführt, die den strategischen Zielen untergeordnet ist, werden die Marxisten-Leninisten unvermeidlich die Massen an die Position der Revolution heranführen. Das Festhalten an strategischen Zielen in jedem einzelnen Fall kann auch dahin führen, daß die Marxisten-Leninisten eine unter bestimmten Umständen unvermeidliche taktische „Niederlage“ einstecken müssen. Die von den russischen Bolschewiki 1917 geführte Antikriegsagitation ergab, wie Stalin als Beispiel anführt, „unzweifelhaft ein taktisches Minus, denn die Menge holte unsere Redner vom Rednerpult herunter, verprügelte sie, riss sie mitunter in Stücke, die Masse strömte nicht der Partei zu, sondern strömte von ihr weg. Doch bereitete diese Agitation , ungeachtet ihres taktischen Mißerfolgs, einen großen strategischen Erfolg vor, denn die Massen sahen bald ein, daß unsere Agitation gegen den Krieg richtig war und dies beschleunigte und erleichterte nachher ihren Übergang auf die Seite der Partei.“

Genauso werden sich die Massen durch ihre eigene Erfahrung und unsere richtige marxistisch-leninistische Politik davon überzeugen, früher oder später, daß die reformistische Politik des „friedlichen Übergangs“, des „parlamentarischen Wegs“ keine wirkliche Alternative zum kapitalistischen Ausbeutungssystem darstellt. In jedem etwaigen taktischen „Erfolg“ der D“K“P steckt schon die unvermeidliche Niederlage des Reformismus. Das ist die objektive Dialektik der Revolution.

Deshalb dürfen sich die Marxisten-Leninisten keineswegs durch irgendwelche momentanen „Erfolge“ des Reformismus irre machen lassen. Die breiten Massen, die Mehrheit der Arbeiterklasse und die übrigen Werktätigen können erst im praktischen Kampf für die Revolution gewonnen werden, erst dann, wenn sich ihre Lage verschlechtert oder eine nationale Krise eintritt. Um für solche Situationen gewappnet zu sein, müssen die Marxisten-Leninisten ihre Bemühungen für den Aufbau einer schlagkräftigen, disziplinierten bolschewistischen Kaderpartei verstärken. Denn die jeweils erreichte „Aktivität der Massen kann sich weder lange halten, noch in der richtigen Richtung entwickeln, noch ein höheres Niveau erreichen, wenn eine starke führende Gruppe fehlt, die diese Aktivität auf geeignete Weise organisiert.“ (Mao Tse Tung)

Die revisionistischen Übergangslosungen

Alle Klagen über das mangelnde revolutionäre Bewußtsein der Massen sind eine Anklage gegen die Revisionisten, die überall die spontane Aktivität der Massen sabotieren, sobald sie den Rahmen der „demokratischen Reform“ überschreitet. Sie sind aber auch eine Anklage gegen diejenigen „Linken“, die mit ihrem Geschwätz vom „Parteiaufbau als (ewigen, nie endenwollenden) Prozeß“ den Aufbau eben einer solchen bolschewistischen Kampfpartei hemmen.

Das „Schöpfertum“ der modernen Revisionisten besteht darin, daß sie aus der alten sozialdemokratischen Literatur das ganze alte reformistische Zeug abgeschrieben haben. Genau wie die Reformisten der alten Sozialdemokratie haben die Ideologen der D“K“P eine neue „Übergangsstufe“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus erfunden, die sie der proletarischen Revolution entgegenstellen: Die Periode der „demokratischen Erneuerung“, der „realen Demokratie“, der stufenweisen „Zurückdrängung der Macht der Monopole“. Im Erfinden solcher „Übergangsperioden“ in unendlich vielen Stufen, um die Revolution auf den St. Nimmerleinstag hinauszuzögern, haben die Revisionisten immer schon ihr „theoretisches Schöpfertum“ bewiesen.

Zu solchen – „Übergangsstufen“, eben weil sie schon so uralt sind, („Produktionskontrolle“, „Wirtschaftsdemokratie“ usw.), hat schon das Programm der Kommunistischen Internationale von 1928 Stellung bezogen:

„Wenn kein revolutionärer Aufschwung vorhanden ist, müssen die kommunistischen Parteien ausgehend von den Tagesnöten der Werktätigen, Teillosungen und Teilforderungen aufstellen und sie mit den Hauptzielen der Kommunistischen Internationale verknüpfen. Hierbei dürfen aber die Parteien nicht solche Übergangslosungen aufstellen, die das Vorhandensein einer revolutionären Situation zur Voraussetzung haben und in einer anderen Situation zur Lösung des Verwachsens mit dem System kapitalistischer Organisationen werden . . .“

Die revisionistischen Teillosungen wie „Mitbestimmung“, „reale Demokratie“, „Zurückdrängung der Macht der Monopole“ sind gerade solche Übergangslosungen, die – in nicht revolutionären Situationen aufgestellt – eine Aufforderung zum Verwachsen mit dem kapitalistischem System darstellen. Nicht der Kapitalismus wächst durch die Verwirklichung solcher Übergangslosungen in den Sozialismus hinein, sondern umgekehrt: „Die D“K“P-Politiker wachsen in das kapitalistische System hinein. Ist es nicht klar, daß „reale Mitbestimmung und Demokratie“, daß die „Zurückdrängung der Macht der Monopole“ nur durch die Revolution verwirklicht werden kann?

Solange keine revolutionäre Situation vorhanden ist, können die Marxisten-Leninisten das Endziel des proletarischen Klassenkampfes nur propagieren, solange können die Endlosungen nicht zu unmittelbaren Aktionslosungen werden. Der Widerspruch zwischen Tagesforderungen und Endforderungen kann erst in der unmittelbaren revolutionären Situation aufgelöst werden, wo die Endlosungen zu unmittelbaren Aktionslosungen werden.

Gerade deshalb müssen die Marxisten-Leninisten jederzeit Strategie und Taktik, allgemeines und taktisches Programm (Aktionsprogramm) streng unterscheiden, obwohl in einer korrekten marxistisch-leninistischen Massenlinie Strategie und Taktik eine richtige Einheit bilden müssen, Propaganda- und Aktionslosungen eng miteinander verknüpft sein müssen.

Diese Einheit von Strategie und Taktik in einer korrekten politischen Linie erreicht man aber nicht dadurch, daß man – wie es die D“K“P vormacht, den Unterschied von Strategie und Taktik verwischt, Endlosungen und Tageslosungen miteinander vermengte und das Grundsatzprogramm durcheinanderwirft. Anstatt die Tageslosungen und Endlosungen miteinander zu verknüpfen und auseinander zu entwickeln, hat die D“K“P nur opportunistische Abstriche vom Endziel gemacht. Das Resultat dieser ganzen antileninistischen Vermengung von Strategie und Taktik ist, daß die D“K“P weder die wirklichen Tagesinteressen noch die Endinteressen des Proletariats vertritt. Die D“K“P scheut sich nicht, in ihrem „Aktionsprogramm“ in einer Reihe mit der Forderung nach „Zurückdrängung der Macht der Monopole“ die Forderung nach „Einrichtung öffentlicher Beschwerdeinstanzen“ aufzustellen.

Es ist offensichtlich, daß die ganze theoretische Verwirrung, die von den Revisionisten angerichtet wird, nur dazu dient, ihrer reformistischen Politik ein „marxistisch-leninistisches“ Mäntelchen umzuhängen. Die revisionistische Linie der D“K“P ist dadurch gekennzeichnet, daß sie von der Annahme einer selbständigen Übergangsstufe zwischen Kapitalismus und Sozialismus ausgeht. Zur Übergangsepoche der proletarischen Diktatur und des Sozialismus wird noch eine weitere Übergangsetappe konstruiert, in der die Bourgeoisie noch herrscht, das Proletariat aber schon einen Teil der Machtposition eingenommen hat.

Die reformistische „Strategie“ der D“K“P („die Strategie der strukturellen Reform“) geht davon aus, daß durch Reformen in die objektive Seite des Entwicklungsprozesses eingegriffen werden könnte. Auch das ist eine vollständige Abkehr vom Leninismus. Der Leninismus geht davon aus, daß die revolutionäre Strategie hauptsächlich auf die subjektive, bewußte Seite der Arbeiterbewegung einwirkt, und daß durch diese Einwirkung auf den subjektiven Faktor der objektive Entwicklungsprozeß nur beschleunigt oder gehemmt werden kann.

Bisher hatten wir geglaubt, daß die politische Macht nur durch den revolutionären Sturz der Bourgeoisie durch die Errichtung der proletarischen Diktatur erobert werden kann. Jetzt werden wir von der D“K“P eines besseren „belehrt“… Bisher hatten wir geglaubt, daß die Wirtschaft entweder nur dem Zweck dr Kapitalistenklasse, der Ausbeutung und dem Profit, oder dem Zweck der Arbeiterklasse, der Deckung des Bedarfs, dienen kann. Jetzt werden wir von den Revisionisten der D“K“P  „belehrt“, daß es möglich sein soll, durch „paritätische Mitbestimmung“ eine Kontrolle der Wirtschaft sowohl im Interesse der Kapitalisten als auch im Interesse der Werktätigen zu organisieren.

Die D“K“P-Grundsatzerklärung ist eher ein Plagiat vom alten Revisionisten Hilferding als von Lenin. Die „Übergangsforderungen“ haben nur den Zweck, die Endlösungen des proletarischen Kampfes zu vertuschen und den Kampf um die Diktatur des Proletariats zu unterdrücken. Dieses „Übergangsprogramm“ der D“K“P zerstört die reformistischen Illusionen der Massen nicht, sondern befestigt sie. Die „Übergangslosungen“ der D“K“P haben nur den Sinn, daß sie die Klassenzusammenarbeit der revisionistischen Führer tarnen sollen: Ihr Hineinwachsen in das kapitalistische System und ihre schändliche Praxis, sich auf Kosten der Arbeiterklasse warme Pöstchen im Kapitalismus zu erschleichen.

Die D“K“P will die Führung der Arbeiterklasse liquidieren

Da die D“K“P schon jede Grenze zwischen sich und der Sozialdemokratie verwischt hat, schämen sich die D“K“P-Bonzen nicht, einer bürgerlichen Regierungskoalition „aus Gewerkschaftern, Sozialdemokraten und bürgerlichen Demokraten“ ihre Unterstützung zu versprechen. Der Oberhäuptling der Revisionisten, Kurt Bachmann, der älteren Kommunisten seit langem als notorischer Rechtsopportunist bekannt ist, erklärte in seiner Propagandarede: „Einig handeln für demokratische Erneuerung von Staat und Gesellschaft“) rund heraus: „Wir erheben keinen Führungsanspruch“. Diesen Satz haben die Revisionisten zur Grundlage ihrer „Bündnispolitik“ gemacht. Sie sind schon soweit heruntergekommen, daß sie es wagen, die offene Aufgabe des Führungsanspruch als „marxistisch-leninistisch“ auszugeben. Diese Bündnispolitik der D“K“P hat nicht das Ziel, die Nebenreserven der Revolution auszunutzen (Bündnis mit den Zwischenschichten unter proletarischer Führung), sondern sie folgt dem Zweck, die revolutionäre Bewegung dadurch zu liquidieren, daß man die Führung der Arbeiterbewegung der Bourgeoisie überläßt.

Die opportunistische „Klassenanalyse“ der D“K“P

Trotzdem bezeichnen die Revisionisten die Arbeiterklasse noch als „Hauptkraft im Kampf um demokratische Erneuerung“, und zwar deshalb, weil nach ihrer opportunistischen Theorie über die Strukturveränderung der Arbeiterklasse diese „rund 80 Prozent der Bevölkerung“ ausmacht. Es gibt kaum noch kleinbürgerliche Schichten, die von den Revisionisten nicht zur „Arbeiterklasse“ gezählt werden. In der „Grundsatzerklärung“ heißt es: „Zur Arbeiterklasse gehört heute nicht nur die Industriearbeiterschaft, sondern auch die große Mehrheit der Angestellten und Beamten (!!), der Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler.“ Liegt es nicht offen, daß diese opportunistische Theorie nur dazu dient, die Führung der Arbeiterklasse dem Kleinbürgertum zu überlassen? Das ist die Öffnung aller Türen der D“K“P für den Eintritt von allerlei bürgerlichen und kleinbürgerlichen, opportunistischen und karrieresüchtigen Elementen. Tatsächlich ist die D“K“P schon jetzt eine Partei, wo ein jeder nach Belieben ein- und austritt. Sie eignet sich vortrefflich dazu, möglichst viele Stimmen bei den bürgerlichen Wahlen zu erringen, ist jedoch für eine revolutionäre Tätigkeit ganz ungeeignet. An so gänzlich offenen, legalen „Arbeiterparteien“ ist die Bourgeoisie gerade interessiert, um die gesamte „oppositionelle“ Tätigkeit zu kontrollieren.

Daß die Industriearbeiter auf jeden Fall den Kern der Arbeiterklasse darstellen, und daß sich diese Tatsache auch in der sozialen Zusammensetzung der proletarischen Partei widerspiegeln muß, darüber verlieren die Revisionisten kein Wort . . .

Ökonomischer und „politischer Kampf“ bei den Revisionisten

Proletarische Politik kann nur darin bestehen, den spontanen Kampf der Arbeiter um die Verteidigung und Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage umzuwandeln in den bewußten

Klassenkampf des Proletariats. Proletarische Politik kann nur darin bestehen, den Klassenkampf des Proletariats mit dem Endziel der revolutionären Eroberung der politischen Macht zu organisieren, diesen Kampf bis zu seiner höchsten Stufe, dem bewaffneten Kampf zu führen.

Auch in der Frage, wie ökonomischer und politischer Kampf zu verbinden sei, wie der ökonomische Kampf in den bewußten Klassenkampf zu verwandeln ist, hat sich die D“K“P vollständig vom Leninismus abgekehrt. Durch ihren Häuptling Bachmann ließ sie verkünden:

„Der gewerkschaftliche Kampf, auch wenn es sich nur um kleine soziale Verbesserungen dreht, ist Klassenkampf.“ Bachmann hat auch ganz offen zugegeben, daß sich die D“K“P im wesentlichen als Nachhut der reformistischen Gewerkschaftsführer  versteht. Er sagte: Die D“K“P kämpfe „konsequent für die Verwirklichung der den Interessen der Arbeiterklasse dienenden gewerkschaftlichen Beschlüsse sowie für die Stärkung der Gewerkschaften und die Vergrößerung ihrer Mitgliedschaft.“ Die D“K“P betrachte sich „nicht als Opposition in den Gewerkschaften, sondern als zum Kern dieser Organisation gehörig“, die D“K“P wolle „auf dem Boden der gewerkschaflichen Beschlüsse (!) in jeder (!!) Weise konstruktiv (!!!) in den Gewerkschaften mitarbeiten“ (!!!)

Auch diese revisionistische Gewerkschaftslinie hat nur dieses Ziel: Der revolutionäre Kampf soll durch den Kampf um Reformen ersetzt werden; der revolutionäre Kampf soll liquidiert werden.

Die modernen Revisionisten haben nicht den Marxismus-Leninismus weiterentwickelt, sondern das Renegatentum und die Liebedienerei vor der Bourgeoisie „vertieft“. Auf sie trifft genau das zu, was Lenin über den alten Renegaten Kautsky sagte: Sie haben die „Manier, vor den Kapitalisten auf dem Bauch zu liegen und ihnen die Stiefel zu lecken“ schöpferisch weiterentwickelt.

Die Arbeiterklasse kann ihre revolutionäre Mission nur erfüllen, wenn sie den rücksichtslosen Kampf aufnimmt gegen dieses Nachtrotten hinter der Bourgeoisie unter dem Deckmantel des Marxismus.

An dieser Notwendigkeit muß die Politik einiger sogenannter „linker“ Gruppen gemessen werden, die sich nicht offen als antirevisionistisch, sondern als „nichtrevisionistisch“ bezeichnen, und die zu einer versöhnlerischen Haltung gegenüber dem Revisionismus neigen: Versöhnlertum gegenüber dem modernen Revisionismus ist genauso konterrevolutionär wie der Revisionismus selbst.

Die gutwilligen Elemente in der D“K“P, die durch die pseudomarxistischen Phrasen der D“K“P-Häuptlinge betrogen worden sind, haben die Pflicht, offen gegen die revisionistische Linie der D“K“P-Führung zu arbeiten. Sie müssen marxistisch-leninistische Fraktionen in der D“K“P bilden, um dann, solange die D“K“P noch relativ klein und bedeutungslos ist, organisiert aus dieser revisionistischen Partei auszutreten.

Feuer auf den revisionistischen Verrat!

Einheit aller Marxisten-Leninisten in der KPD/ML!       

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