Revisionistisches

ROTER MORGEN, 3. Jg., September 1969

Trotz eigener Autoproduktion will die CSSR demnächst 1.500 Volkswagen importieren. Kundendienst-Stationen des VW-Werks wurden bereits in Prag und Bratislava eingerichtet.

Infolge der zunehmenden Arbeitslosigkeit hat sich die Zahl der Bettler in der UdSSR sprunghaft erhöht. Nach offiziellen Veröffentlichungen gibt es diese Bettler, die jeder Tourist mit eigenen Augen sehen kann, jedoch nicht. Es handelte sich, so wird erklärt, bei diesen Menschen um „asoziale Elemente“. Eigenartig, daß es diese „Elemente“ unter Stalin bereits nicht mehr gab. Sicher sind sie eine Erscheinung des sowjetrevisionistischen Übergangs zum Kommunismus.

Aus Steuermitteln hat das Bonner Auswärtige Amt dem sowjetrevisionistischen Botschafter Zarapkin verstärkte Schutzbauten im Botschaftsgebäude der UdSSR in Rolandseck anbringen lassen. Grund: Seit dem Überfall auf die CSSR fürchtet Zarapkin den Zorn der Demonstranten.

Die sich als „links“ und „demokratisch“ bezeichnende „Aktion Demokratischer Fortschritt“ (ADF) hat im gesamten Bundesgebiet unter ihren Spitzenkandidaten der Länder zur Bundestagswahl nur einen Arbeiter. Der Rest setzt sich aus Hochschullehrern, Pfarrern, Redakteuren und ähnlichem zusammen.

Die im Westen brandende „Sexwelle“, die die Aufgabe hat, die Volksmassen vom Kampf um ihre Befreiung abzulenken, hat jetzt auch in Ungarn Einzug gehalten. Die Titelbilder der Illustrierten wetteifern darin, junge Mädchen soweit ausgezogen als irgendmöglich zu zeigen. Im Fernsehen, Kino, Theater, regieren Kitsch und Schund. Längst abservierte bürgerliche Autoren feiern ihr comeback. Gruppensex, bei dem Mädchen in Banden unter den männlichen Mitgliedern nicht wählen dürfen, sind die Regel. Die Zahl der Geschlechtskrankheiten hat sich gegenüber 1959 verdreifacht.
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