Die Revisionisten und Stalin

Stalin. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 3. Jg., September 1969

In den letzten Monaten konnte man oftmals in der bürgerlichen Presse lesen, daß die Sowjetführer sich bei verschiedenen Gelegenheiten auf Stalin berufen hätten. Für diese Zeitungen schien es wohl so, als ob die jetzigen Revisionistenbosse die verräterische Linie nach dem XX. Parteitag über Bord geworfen hätten. „Stalin-Renaissance geht weiter“ (Frankfurter Rundschau, 25.2.69), „Stalins Rehabilitierung ist jetzt vollständig“ (Daily Telegraf, zitiert in bid, 6.2.69), „Die Sowjetunion kehrt zum Stalinismus zurück!“ (Bild, 6.2.69), „Der Abbau liberaler Errungenschaften aus der Chruschtschow-Ära geht weiter“ (Frankfurter Rundschau, 12.2.69) – so hieß es in den Zeitungen. Wie steht es in der SU nun wirklich um Stalin? Wird er, der große Revolutionär und Marxist-Leninist, der Held im Großen Vaterländischen Krieg, der Befreier Osteuropas vom Hitlerfaschismus, der Erbe Lenins,von den Revisionisten als Marxist-Leninist verehrt oder warum loben sie ihn sonst?

Auf dem XX. Parteitag 1956 warf Chruschtschow endgültig die marxistisch-leninistische Linie Stalins über Bord. Stalin hatte nach Lenins Tod fast 30 Jahre lang die KPdSU und die Sowjetunion gegen alle Gefahren entschlossen verteidigt und in der SU den Sozialismus aufgebaut. Natürlich hatte Stalin auch Fehler, aber seine Verdienste sind weit höher zu bewerten. Chruschtschow ersetzte die ideologische Auseinandersetzung mit Stalin durch Schimpfwörter. Er bezeichnete ihn als „Mörder“, „Verbrecher“, „Bandit“, „Hasardeur“, „Despot a la Iwan der Schreckliche“, „der größte Diktator in der Geschichte Rußlands“, „Schuft“, „Idiot“ usw. (siehe  ‚ Die Polemik über die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung‘ Peking 1965, Seite 141). Anfang dieses Jahres hieß es im theoretischen Organ der KPdSU „Kommunist“: „Nicht ein Krümel bleibt von den Fälschungen (Chruschtschows) zurück.“

Es mag für einige scheinen, als wären die Revisionisten der SU zu Stalin zurückgekehrt und hätten den Revisionismus über Bord geworfen. In Wirklichkeit benutzen sie aber Stalin genau wie Lenin, Marx und Engels dazu, ihre revisionistischen Verbrechen mit einem Schein von Marxismus-Leninismus zu verschleiern. Das Organ unserer albanischen Bruderpartei, die Zeitschrift ‚Zeri i Polullit‘ schrieb: „Die Analyse der Tatsachen zeigt, daß von einer Überprüfung der revisionistischen Position seitens der Führung der Sowjetrenegaten keine Rede sein kann. Alle ihre Anstrengungen, um den Eindruck zu erwecken, daß sie angeblich zu der alten stalinschen Position zurückkehren, sind ein großer Bluff.“ (9.1.69)

Die Sowjetrevisionisten sehen sich immer größeren Schwierigkeiten gegenüber. Der ganze Staatsapparat ist korrupt,  die Wirtschaft teilweise kaum noch in der Lage, die Versorgung des Sowjetvolkes mit den lebensnotwendigsten sicherzustellen. Chruschtschow lobte seinerzeit Lenin und verdammte Stalin (obwohl ebenfalls beide entgegengesetzte Weltanschauungen vertreten). So greifen sie zwecks Volksverdummung auf Stalin zurück und beschimpfen andere Revisionistencliquen, die nicht länger Lakaien des Kreml sein wollen als „Revisionisten“ (z.B. Dubcek). Sie schieben das, was sie selbst getan haben und tun, den anderen in die Schuhe. Als bürgerliche ideologische, antimarxistische und konterrevolutionäre Strömung ist der Revisionismus so stark diskreditiert, daß auch die Häupter des Revisionismus selbst, vor allem jene der SU, den Ausdruck „Revisionist“ gebrauchen, um ihre ungemäßigteren und liberalen Alliierten zu kritisieren. Manchmal entfällt ihnen sogar irgend ein Wort, daß der Revisionismus heute die Hauptgefahr bildet und der Kampf gegen ihn – die Hauptaufgabe sei.

Um ihre revisionistischen Parteiencliquen als Lakaien zu behalten, versuchen die Sowjetrevisionisten Stalins Rote Fahne zu erheben. Aber auch dieses schändliche Manöver wird ihnen nicht weiter helfen. Stalins Banner weht weiter, aber nicht im revisionistischen Kreml, sondern in China und Albanien, es weht überall dort, wo Revolution gemacht wird. Die ganze Demagogie der angeblichen Bekämpfung des Revisionismus und der angeblichen Rückkehr zu den leninistisch-stalinistischen Stellungen, braucht die revisionistische Sowjetführung, um ihre vollständige Umwandlung in eine sozialfaschistische Clique zu tarnen. Stalin gehört der Proletarischen Revolution! Stalin gehört uns!
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