Skandal in Athen

Am 21. April 1967 erwachten die Griechen zu Militärmärschen im Radio, unterbrochen von der Ankündigung: "Infolge der aktuellen Unruhen hat das Militär die Macht im Land ergriffen." Die neuen Machthaber behaupteten, Griechenland vor einer kommunistischen Übernahme zu retten. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN.

ROTER MORGEN, 3. Jg., September 1969

Nicht den Fall des Sportlers Jürgen May meinen wir. May, der vor zwei Jahren aus der DDR in die Bundesrepublik überwechselte und gegen den man aus diesem Grunde anläßlich der Europäischen Leichtathletik-Meisterschaften in Athen ein Startverbot erließ. Das sind Intrigen am Rande eines Ereignisses, das peinliche Erinnerungen an das Jahr 1936 wach werden läßt.

1936 fanden die Olympischen Spiele in Berlin statt. Diese Spiele dienten dem Hitler-Regime dazu, sein faschistisches System von Blut und Terror zu kaschieren und der Weltöffentlichkeit ein Bild der Eintracht aller Deutschen und ihres Strebens nach Frieden und Völkerfreundschaft vorzugaukeln. Während die 100-Meter-Läufer, voran der USA-Sportler Jesse Owens, ihrem Sieg auf der Aschenbahn zueilten, waren in den Kerkern der Gestapo, in den KZs hunderttausende Deutsche grausamsten Mißhandlungen und Foltern ausgesetzt. Fast alle großen Nationen beteiligten sich an dieser Aufwertung der Nazi-Diktatur durch ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen. Nur die Sowjetunion unter Stalin blieb dieser faschistischen Monster-Schau fern.

Wie anders die heutigen Machthaber im Kreml und ihre revisionistischen Satelliten in Osteuropa. Was stört es sie, daß in Griechenland eine blutige faschistische Militär-Diktatur herrscht und tausende Patrioten und Kommunisten in den Gefängnissen grausamste Folter erleiden. Von den kapitalistischen Westmächten war es nicht anders zu erwarten. Und Lob gebührt den norwegischen Leichtathleten, die zum Boykott der Europameisterschaften aufriefen. Wie widerlich dagegen das Verhalten der DDR. In seiner sklavischen Sucht nach Prestige und Anerkennung durch die kapitalistischen Staaten, ist das Ulbricht-Regime bereit, auch den letzten Funken eines Gedankens im Sinne des proletarischen Internationalismus im Keim zu ersticken. Ist es bereit, die Herrschaft der grausamsten Faschisten anzuerkennen.

Allein die Volksrepublik Albanien lehnte es als sozialistisches Land konsequent ab, sich durch eine Teilnahme an den Leichtathletik-Meisterschaften in Athen, an der Aufwertung des faschistischen Militärregimes zu beteiligen.

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