Wer sind die Spalter?

Karl Marx und Friedrich Engels. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN

ROTER MORGEN, 4. Jg., Dezember 1970 

Immer wieder wird von den modernen Revisionisten gegenüber den marxistisch-leninistischen Parteien der Vorwurf erhoben, sie spalteten die internationale kommunistische Bewegung und schadeten so dem Kampf gegen den Imperialismus. Auf nationaler Ebene sieht das so aus, daß die revisionistische, den Sozialimperialisten der Sowjetunion sklavisch folgende D“K“P sich nicht entblödet gegenüber der KPD/ML den Vorwurf zu erheben, sie sei objektiv eine Agentur der Bourgeoisie. Wir wollen hier nicht darauf eingehen, daß die D“K“P selbst ihre Entstehung der direkten Absprache mit Vertretern der westdeutschen Monopolbourgeoisie verdankt, wir wollen hier nicht darüber reden (wir haben es schon oft getan und werden es auch weiter tun), daß ihre Politik direkt darauf abzielt, die Herrschaft des westdeutschen Imperialismus zu verlängern, wir wollen in diesen Tagen – da sie heuchlerisch Friedrich Engels feiern – untersuchen, was es mit dem Begriff  „Spaltung“ in der Arbeiterbewegung auf sich hat.

   Ihr Geschrei nach sogenannter Einheit erinnert an einen Ausspruch Friedrich Engels, der sagte: „Man muß sich durch das Geschrei nach ‚Einigung‘ nicht beirren lassen. Die diese Worte am meisten im Munde führen, sind die größten Zwietrachtstifter . . . Deswegen sind die größten Sektierer und die größten Krakeeler und Schurken in gewissen Momenten die lautesten Einigungsschreier“.

   Um den Charakter des Spalterwesens in der internationalen kommunistischen Bewegung klar zu erkennen, ist es gut, einen Blick in die Geschichte zu werfen: Die ganze Geschichte der kommunistischen Bewegung ist durch den Kampf zwischen dem Marxismus und dem Opportunismus und den Kampf zwischen den Bemühungen um die Wahrung der Einheit und den Bestrebungen nach Spaltung gekennzeichnet. Das gilt für den Kampf sowohl in den einzelnen Ländern als auch im Weltmaßstab.

   „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ hieß es im „Manifest der Kommunistischen Partei“, dem von Marx und Engels für den Bund der Kommunisten ausgearbeiteten Programm. Ihr ganzes Leben hindurch kämpften Marx und Engels beharrlich für die auf diesem Prinzip beruhende Einheit des Weltproletariats.

    Um die Arbeiterbewegung in verschiedenen Ländern zu vereinen, gründeten Marx und Engels 1864 die I. Internationale. Doch schon bald zeigten sich Spalter. Besonders heftig griffen die Bakunin-Leute die Lehre von Marx an und behaupteten, er beabsichtige, der Internationale sein „besonderes Programm“ aufzuzwingen und seine „persönliche Lehre vorherrschend zu machen“. Sie unternahmen eine Reihe von Manövern und scheuten kein Mittel, um ihre „Mehrheit“ zusammenzustoppeln. Nach ihrem Ausschluß aus der I. Internationale stellte Engels fest: hätten die Marxisten eine prinzipienlose, versöhnlerische Haltung den Bakunin-Leuten eingenommen, dann wäre „die Internationale allerdings kaputt – kaputt durch die ‚Einigung‘ „ gewesen.

    Nach Auflösung der I. Internationale im Jahre 1876 schenkte Marx und Engels der deutschen Arbeiterpartei, die damals eine wichtige Rolle in der Arbeiterbewegung Europas spielte, besondere Aufmerksamkeit. So kritisierten sie die Preisgabe der revolutionären Prinzipien durch die SPD, ihre Vereinigung mit den Lassalleanern und das daraus hervorgegangene „Gothaer Programm“. In seiner Kritik am „Gothaer Programm“ stellte Marx den berühmten Grundsatz auf, ein Marxist „lasse sich auf keinen Prinzipienschacher ein“.

Friedrich Engels. Das Bild ist kein Bestandteil des vorliegenden Artikels des ROTEN MORGEN

  Im Jahre 1889 wurde unter dem Einfluß von Engels die II. Internationale gegründet. Die damalige relativ „friedliche“ Epoche der Entwicklung des Kapitalismus, als der Marxismus enorme Verbreitung fand, bewirkte bei den sozialistischen Parteien in vielen Ländern eine Art Legalitätsanbeterei. Dadurch überschwemmte der Opportunismus die Parteien verschiedener Länder. Engels nahm den Kampf auf und kritisierte vor allem die These vom friedlichen Hineinwachsen des Kapitalismus in den Sozialismus. Er sagte: „Marx würde wahrscheinlich von diesen Herren (den pseudo-marxistischen Opportunisten) das sagen, was Heine von seinen Nachkläffern gesagt hat: „Ich habe Drachenzähne gesaet und Flöhe geerntet.“

    Nach dem Tode Engels, 1895, begannen die „Flöhe“ offen mit der systematischen Revision des Marxismus und besetzten allmählich die führenden Positionen in der II. Internationale. Damals übernahm der große Lenin als hervorragender Revolutionär in der internationalen Arbeiterbewegung die schwere Aufgabe, den Marxismus zu verteidigen und gegen den Revisionismus der II. Internationale zu kämpfen.

   Zuerst kämpfte Lenin für die Schaffung einer marxistischen Partei, einer Partei neuen Typs, die sich von den opportunistischen Parteien der II. Internationale grundsätzlich unterschied. Um die Reinheit und Einheit der proletarischen Partei zu erhalten, führten die von Lenin geleiteten Bolschewiki in der damaligen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands sowohl theoretisch als auch politisch einen langwierigen Kampf gegen die Menschewiki, die am Opportunismus und Spaltertum festhielten.

    Alle oportunistischen Gruppen, die gegen Lenin auftraten, haben ihn mit den gemeinsten Ausdrücken beschimpft und ihn des Spaltertums beschuldigt. Damals stellte Lenin ausdrücklich fest: „Die Einheit ist eine große Sache und große Losung! Doch die Arbeiterklasse braucht die Einheit unter den Marxisten, nicht aber die Einheit der Marxisten mit den Gegnern und Verfälschern des Marxismus.“

    Als nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges die Führer der II. Internationale, allen voran die der SPD, das Proletariat offen verrieten und in den Brudermord trieben, war es Lenin, der in diesem überaus kritischen Augenblick einen entschiedenen Kampf für die Einheit des Weltproletariats führte. Er verurteilte schärfstens den eklatanten Verrat der überwiegenden Mehrheit der Führer der Sozialdemokratie, und unterstützte die Marxisten vieler europäischer Länder entschlossen beim Abbruch ihrer Beziehungen zu den Opportunisten. Durch die Gründung der III. Internationale, durch die Theorie und Praxis Lenins, gelangte der Marxismus in eine neue Entwicklungsphase, die Etappe des Leninismus.

    Was also hat uns die Geschichte der internationalen kommunistischen Bewegung gezeigt?

    Erstens: Daß die internationale Arbeiterbewegung wie alle anderen Dinge der Welt sich immer in zwei Teile spaltet. Der Klassenkampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie wird unvermeidlich in den Reihen des Kommunismus widergespiegelt. Im Laufe der Entwicklung der kommunistischen Bewegung wird unausbleiblich immer wieder diese oder jene Spielart des Opportunismus aufkommen, wird einerseits die Spaltertätigkeit der Opportunisten gegen den Marxismus wie auch andererseits der Kampf der Marxisten gegen Opportunisten und Spalter entstehen.

     Engels sagte: „Die Bewegung des Proletariats macht notwendig verschiedene Entwicklungsstufen durch; auf jeder Stufe bleibt ein Teil der Leute hängen und geht nicht weiter mit; darum allein erklärt sich, weshalb die „Solidarität des Proletariats“ in der Wirklichkeit überall in verschiedenen Parteigruppierungen sich verwirklicht, die sich auf Tod und Leben befehden …“

     Die Tatsachen bestätigen das. Einheit – Kampf, sogar bis zur Spaltung – neue Einheit auf neuer Basis, das ist die Dialektik der Entwicklung der internationalen Arbeiterbewegung.

      Zweitens: Die Geschichte zeigt, daß in verschiedenen Phasen der kommunistischen Bewegung der Kampf zwischen Wahrung der Einheit und Herbeiführung einer Spaltung dem Wesen nach ein Kampf zwischen dem Marxismus einerseits, ein Kampf zwischen der Treue gegenüber dem Marxismus und dem Verrat an ihm ist.

      Sowohl im Weltmaßstab als auch im einzelnen Land ist, wenn sich Opportunismus und Revisionismus ausbreiten, eine Spaltung der Reihen des Proletariats unvermeidlich. Alle Spaltungen in der kommunistischen Bewegung sind durch das Auftreten der Opportunisten und Revisionisten gegen den Marxismus und den Verrat an ihm hervorgerufen worden.

     Wer ist ein Spalter? Ein Spalter ist, wer gegen den Marxismus kämpft und ihn verrät; wer die Basis der proletarischen Einheit zerstört; wer hartnäckig einer revisionistischen Linie folgt und die revolutionäre proletarische Partei in eine reformistische bürgerliche Partei verwandelt; wer ein Programm oder eine Linie durchsetzt, die im Gegensatz zu den Grundinteressen des Proletariats und der anderen Werktätigen steht.

     Die Einheit der kommunistischen Weltbewegung auf der Grundlage des Marxismus, des Leninismus und der Maotsetungideen aber wächst und erstarkt von Tag zu Tag, während das von den Sowjetrevisionisten geführte revisionistische Lager, von inneren Widersprüchen zerrissen, mehr und mehr zerfällt.

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